Humanisten zeigen nackte Luther-Skulptur vor der Trierer Basilika

Humanisten zeigen nackte Luther-Skulptur vor der Trierer Basilika

Religionskritiker haben am Donnerstag eine Skulptur des Reformators vor der Konstantin-Basilika in Trier aufgestellt. Der Evangelische Kirchenkreis kann die Kritik nachvollziehen, weist aber auch auf die Bedeutung Martin Luthers hin.

Sie ist 3,98 Meter hoch und nackt. Die Skulptur von Martin Luther am Rand des Vorplatzes der Konstantin-Basilika hat einen Hut auf. Die Figur reißt ihren Mantel auf und enthüllt nicht nur das etwas klein geratene Gemächt der riesigen Statue. Auf der Innenseite des schwarzen Kleidungsstücks steht: "Luthers Ratschläge gegen die Juden hat Hitler genau ausgeführt." Das Zitat stammt von dem deutsch-schweizerischen Philosophen Karl Jaspers. Auf dem grauen Block, auf dem die Skulptur steht, ist zu lesen: "Die nackte Wahrheit über Martin Luther." In kleiner Schrift steht ein Hinweis auf die Internetseite der Urheber: die Giordano-Bruno-Stiftung (GBS).

Die Stiftung hat der in Trier geborene Philosoph und Schriftsteller Michael Schmidt-Salomon gegründet. Sie steht für Religionskritik, für evolutionären Humanismus. "Mit der Aktion will die GBS die weitgehend unkritische Verehrung des Reformators infrage stellen", heißt es auf einem Flugblatt, das neben der Statue ausgelegt ist. Für die Würdigung des 500. Jahrestags der Reformation würden 250 Millionen Euro Steuergeld ausgegeben. Die dunkle Seite Luthers, zu der aus Sicht der Stiftung vor allem seine antisemitischen Schriften gehören, werde dabei ausgeblendet.

Der erste Vorsitzende der Evolutionären Humanisten in Trier, Florian Chefai, hat die Aktion initiiert. Die Skulptur sei am Vormittag auf- und am späten Nachmittag wieder abgebaut worden, sagt er im Gespräch mit dem TV. Er selbst sei tagsüber zusammen mit Künstler David Farago, der die Figur gestaltet hat, vor Ort gewesen. "Die Leute finden die Aktion zu 95 Prozent gut", sagt Chefai. Nur vereinzelt habe es Stimmen gegeben, die es verletzend fanden: "Sie meinten, man dürfe im christlichen Kulturraum die Kirche nicht verhöhnen."

Für den Evangelischen Kirchenkreis äußert sich Matthias Ratz zu dem Protest der evolutionären Humanisten gegen Luther: "Wir müssen anerkennen, dass Luthers Aussagen zu den Juden kritikwürdig, teilweise absolut nicht hinzunehmen sind." Die evangelische Kirche distanziere sich von den entsprechenden Aussagen Luthers explizit. "Auch das Reformationsjubiläum, das wir bewusst nicht als Luther-Jahr feiern, hat zu dieser kritischen Auseinandersetzung Gelegenheit geboten", führt Ratz weiter aus. "Martin Luther auf seinen Antijudaismus zu reduzieren, scheint uns bei aller berechtigten Kritik unangemessen." Dazu habe der Reformator zu große Verdienste auf dem Weg zu einer offenen, pluralistischen Gesellschaft.Extra: DISKUSSION UM MARTIN-LUTHER-PLATZ

Florian Chefai, erster Vorsitzender der evolutionären Humanisten in Trier, geht auch gegen den Vorschlag der Evangelischen Kirchengemeinde vor, den Vorplatz der Basilika oder alternativ eine wichtige Trierer Straße nach Martin Luther zu benennen (der TV berichtete mehrfach). "Wenn der Platz heute schon so hieße, wäre das aus meiner Sicht kein Problem", sagt Chefai. "Ihn aber heute nach einem der größten Judenhasser der Geschichte zu benennen, ist eine andere Sache." Eine von den evolutionären Humanisten in Trier gestartete Online-Petition zu dem Thema unter www.eh-trier.de haben laut Chefai inzwischen 250 Menschen unterschrieben. Pfarrer Matthias Ratz vom Evangelischen Kirchenkreis meint dazu: "Wir sehen als Evangelische Kirchengemeinde in Martin Luthers geschichtlichen Leistungen Rechtfertigung genug, den Reformator weiterhin zu würdigen und somit auch Plätze und Einrichtungen nach ihm zu benennen." Der Reformator sei eine herausragende Persönlichkeit der Weltgeschichte. Ratz: "Wenn jetzt in Trier ein Platz nach ihm benannt wird, ist das ein guter Anlass, weiter über ihn und sein Wirken zu diskutieren."

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