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Humboldt-Gymnasiasten weichen aus

Humboldt-Gymnasiasten weichen aus

Eigentlich sollte das Gebäude der ehemaligen Robert-Schuman-Realschule in der Kaiserstraße als Schulstandort aufgegeben werden. Jetzt empfiehlt eine städtische Arbeitsgruppe, das Gebäude zumindest temporär wieder zu nutzen - um Klassen des aus allen Nähten platzenden Humboldt-Gymnasiums auszulagern.

Trier. Als dreizügige Schule gebaut, nimmt das Trierer Humboldt-Gymnasium (HGT) seit Jahren regelmäßig vier neue fünfte Klassen auf. Das Gebäude am Augustinerhof ist völlig überfüllt. Zwei Klassen sind in die Barbara-Grundschule nach Trier-Süd ausgelagert. Doch eigentlich bräuchte das Gymnasium noch viel mehr Räume, zum Beispiel für differenzierten Unterricht oder Sozialräume für Unter- und Mittelstufe. Auch die Oberstufe - rund 300 Schüler - würde sich wohl freuen, mehr als einen 30 Quadratmeter großen Raum zur Verfügung zu haben, um Freistunden zu verbringen oder Hausaufgaben zu erledigen.
Fünf Millionen Euro Differenz



Das nahe gelegene Gebäude der ehemaligen Robert-Schuman-Realschule in der Kaiserstraße hatte der Stadtrat im März 2013, als das städtische Schulkonzept beschlossen wurde, trotzdem als Ausweichquartier ausgeschlossen. Nach Auszug der letzten Klassen der Robert-Schuman-Realschule im Sommer 2015 sollte der Schulstandort aufgegeben werden. Unter anderem, weil die Kosten für eine Sanierung des Gebäudes zu hoch erschienen.
In den vergangenen Monaten hat die städtische Arbeitsgruppe Schulbau allerdings die Option noch einmal geprüft. Ergebnis: Das Gebäude ist in einem so guten Zustand, dass eine Sanierung langfristig sinnvoll ist.
Während die Erweiterung des HGT mit einem Neubau knapp 9,3 Millionen Euro kosten würde, schlüge die Sanierung des Robert-Schuman-Gebäudes inklusive zeitgemäßer Brandschutz-Ausrüstung mit rund 4,3 Millionen Euro zu Buche.
Die SPD-Fraktion fordert nun, dass dem HGT ab dem "nächstmöglichen Zeitpunkt" Räume am Standort Robert Schuman zur Verfügung gestellt werden sollen. Einen entsprechenden Antrag will SPD-Fraktionschef Sven Teuber in der Sitzung des Stadtrats am kommenden Dienstag stellen. Demnach soll die Verwaltung außerdem bis Juni 2015 ein mit dem Land und der Schule abgestimmtes Sanierungsprogramm für das Robert-Schuman-Gebäude vorlegen.
Zieht das HGT aus den bislang genutzten Räumen in der Barbara-Grundschule aus, könnten diese - so der Vorschlag der SPD - künftig von der nahe gelegenen Nelson-Mandela-Realschule plus weitergenutzt werden, die auch unter Raumnot leidet.
Gesamtkonzept bis 2016


Um das Robert-Schuman-Gebäude überhaupt weiterhin als Schule nutzen zu können, muss jener Beschlusspunkt im Schulentwicklungskonzept, der genau das Gegenteil vorsieht, formal aufgehoben werden. Nach TV-Informationen soll das durch das bis dato nicht-öffentlich beratene Beschlusspapier "Temporäre Nutzung des Robert Schuman Gebäudes" geschehen, das Schuldezernentin Angelika Birk dem Stadtrat am Dienstag präsentieren will.
Dass das Schulkonzept durch die Aufhebung einzelner Beschlüsse - auch zum Beispiel wegen akuter Bauschäden - immer weiter aufgeweicht wird, kritisiert SPD-Chef Teuber. Die "ganzheitliche Entwicklung einer städtischen Schullandschaft" werde dadurch gehemmt. Die SPD fordert Schuldezernentin Birk daher auf, bis Januar 2016 ein erstes Bau- und Sanierungspaket zur Umsetzung der Beschlüsse des Schulentwicklungskonzepts vorzulegen.