Humboldt-Gymnasium platzt aus allen Nähten

Humboldt-Gymnasium platzt aus allen Nähten

Keine Ruhe in der Trierer Schullandschaft: Am Humboldt-Gymnasium (HGT) schlagen Eltern, Schüler und Lehrer Alarm, weil der Raummangel nach ihrer Ansicht einen geregelten Schulbetrieb zunehmend unmöglich macht. Politik und Verwaltung haben keine Lösungen anzubieten.

Trier. Wer Schüler am HGT ist, muss leidensfähig sein. Sozialräume für Unter- und Mittelstufe gibt es nicht, in der Oberstufe teilen sich 300 Schüler ein 30-Quadratmeter-Zimmer. Jeder Fitzel Raum wird für den Unterricht genutzt, dennoch klaffen massive Lücken. Ganztagsklassen, für die der Klassenraum konzeptionell eine Art Lebensraum ist, gehen auf Wandertour durchs Haus. "Wie sollen wir uns qualifiziert auf das Abi vorbereiten, wenn sich bei den Physik- und Chemiesälen alles staut?", fragt Schülersprecherin Marleen Petersen.
"Es fehlen 14 Räume", bilanziert Schulleiter Ralph Borschel. Man sieht ihm an, dass er nicht gern über die Misere redet. Für Schulen wie das HGT ist die Situation schizophren: Einerseits stehen sie im Wettbewerb, müssen also nach außen so tun, als sei bei ihnen alles bestens. Andererseits wird die reale Lage immer dramatischer, aber wenn sie das nicht offen ansprechen, hilft ihnen niemand weiter.
Die Probleme am HGT kommen nicht aus heiterem Himmel. Die Schule ist räumlich für einen dreizügigen Betrieb ausgestattet, also für drei Parallelklassen pro Jahrgang. Tatsächlich sind es in der Regel vier - wegen der hohen Trierer Schülerzahlen. Das HGT erfüllt dabei die Funktion einer "Stadtschule" mit vielen Schülern aus dem Stadtgebiet.
Jahr für Jahr eine Klasse zu viel: Das summiert sich. Und angesichts des Trends zum Gymnasium und der Einwohnerprognosen für Trier ist eine Ende des Ausnahmezustands nicht absehbar. "Der Weg zurück zu unserer normalen Dreizügigkeit wird eine Utopie bleiben", prognostiziert Vizedirektor Jan Illgen.
Und so formiert sich nun ernsthafter Protest. Vor allem die Eltern gehen auf die Barrikaden. Man hat die Stadtratsfraktionen abgeklappert. "Wir haben darauf hingewiesen, dass die angekündigte Senkung der Klassenmesszahl auf 25 das Problem noch verschärfen wird", berichtet die Elternbeiratsvorsitzende Ruth Jätzold. Man erntete allseits Verständnis - mehr nicht. Immerhin hat der Rat in seiner letzten Sitzung einen Prüfauftrag zur Raumsituation der Gymnasien an die Verwaltung beschlossen - mit äußerst ungewissen Aussichten (der TV berichtete).
Den Betroffenen reicht das nicht. Sie planen demonstrative Unterrichtsstunden auf dem Augustinerhof, Protestmärsche und fantasievolle Aktionen. Man hat gelernt aus der Schlacht um das Schulentwicklungskonzept. Denn das sah für die Gymnasien ursprünglich nicht schlecht aus. Gemeinsame Nutzung der in Auflösung befindlichen Robert-Schuman-Realschule durch HGT und eine vereinigte Grundschule Egbert/Barbara, Räume für das FWG am jetzigen Egbert-Standort: Das hätte viele Probleme gelöst. Doch dann marschierten die Grundschul-Lobbyisten, und am Ende traute sich der Rat an die unangenehmen Beschlüsse nicht heran. Egbert und Barbara sollen bleiben, das Schuman-Gebäude verkauft werden. Die Gymnasien schauen in die Röhre. Nun dämmert ihnen langsam, dass vornehme Zurückhaltung wohl nicht die klügste Strategie war, wenn man die Interessen von über 1000 Schülern wahren will.
"Wir haben lange genug stillgehalten", sagt Direktor Borschel. Das Ziel der HGTler ist klar: Sie wollen für fünf Jahre Räume in der nahe gelegenen Schuman-Schule, die ohnehin etappenweise geräumt wird. Und dafür soll getrommelt werden, öffentlich, aber auch bei den OB-Kandidaten, die bald zur Wahl stehen.
Schuldezernentin Angelika Birk macht freilich bislang wenig Hoffnung. Sie verweist auf den gültigen Verkaufs-Beschluss des Rates und auf Brandschutz-Kosten, die bei Weiternutzung entstehen könnten. Dahinter steht offenbar auch die Befürchtung der Dezernentin, das HGT könne, einmal eingezogen, dauerhaft auf dem Standort beharren.
HGT-Direktor Borschel lobt dagegen die gute Bausubstanz an der Schuman-Schule, und seine Elternvertreter bekunden Bereitschaft, bei den Renovierungsarbeiten kräftig anzupacken. Einen unerwarteten Bündnispartner haben sie schon gewonnen: Die Schulaufsicht ADD hat der Aufgabe des Schulstandorts Schuman vehement widersprochen.

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