Humor ist, wenn er trotzdem lacht

Humor ist, wenn er trotzdem lacht

TARFORST. Er kennt Trier wie seine Westentasche. Rund 40 000 Kilometer fährt er im Jahr, wenn er Fahrgäste von A nach B chauffiert. Mit Uwe Press sind sie bisher alle gut gefahren. Der sympathische Tarforster und waschechte Trierer hat immer ein freundliches Lächeln und einen lockeren Spruch parat. Den Alltagsstress als Stadtbusfahrer nimmt er mit Humor.

Die Lachfalten kräuseln sich um die Augen von Uwe Press. Wenn der 49-Jährige am Steuer der tonnenschweren Vehikel sitzt, fährt gute Laune mit. Seinen Beruf und die manchmal unfreundlichen Kommentare von Fahrgästen nimmt er mit Humor. "Selbst im schlimmsten Stress macht es Spaß zu fahren. Vieles geht viel leichter, wenn man gut gelaunt in den Tag geht." Diesen fast philosophischen Rat gibt Uwe Press auch schon mal übellaunigen Kollegen. "Morgenmuffel darf man nicht sein", weiß der glänzend aufgelegte Press. Wenn er sich um kurz nach fünf Uhr morgens hinter den Lenker schwingt, ist er Busfahrer mit Seele und Herz - kundenfreundlich und konzentriert. Doch auch Uwe Press hat erfahren, dass nicht alles im Leben in geraden Bahnen läuft. Als er 1993 arbeitslos wurde, erlebte er schwierige Zeiten. 16 Jahre war er bei der Höchst AG als Chemiearbeiter beschäftigt und stand plötzlich vor dem Nichts. "Das kann man sich nicht vorstellen, was es bedeutet, zum Arbeitsamt zu gehen. Zu Hause zu hocken und untätig sein - das ist im Urlaub mal ganz schön, aber auf Dauer ist das nichts." "Anfang 1993 hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich einmal Bus fahren würde." Er schulte um, legte die Führerscheinprüfungen mit Bravour ab und bestand bei der IHK die Prüfung zum Berufskraftfahrer für Personenverkehr. "Da ist man sehr erleichtert und stolz, wenn einem das gelingt." Die Fragebögen beim TÜV habe er doppelt und dreifach kontrolliert, und "bin mit null Fehlern da raus". "Ich fahre gern da, wo was los ist", sagt Uwe Press. "Eine ruhige Strecke ist einfach langweilig." Auch wenn er dann arbeiten müsse, während andere feiern. Auf den Linien 3 oder 8 fühlt sich der 49-Jährige wohl, da gibt es genügend Trubel für den Stadtbus-Chauffeur. "Vor allem, wenn das Semester begonnen hat." Ein Herz für die Studenten, die zwischen Innenstadt und der Uni in seinem Heimat-Stadtteil Tarforst pendeln, hat er auch. Wenn sie an der Uni zu Hunderten in den Bus drängen, öffnet Press ihnen auch die hinteren Türen. Ruhig bleibe er auch dann, wenn sich an den Türen Menschentrauben sammeln und die Weiterfahrt verzögern. Aber "mit einem lockeren Spruch kommt man meistens gut an. Mir fällt es sogar unheimlich schwer, in manchen Situationen nichts zu sagen." Da müsse er aber abwägen, denn "nicht jeder versteht Spaß". Viele seiner Fahrgäste kennt er, Fremde berät er gerne, weiß alle Tarife und informiert nicht erst auf Nachfrage über die günstigste Möglichkeit, von A nach B zu kommen. Aus der Ruhe bringt Uwe Press so schnell nichts, noch nicht einmal der zunehmende Verkehr. "Trier ist da eine Katastrophe", findet er. Die neuen Busampeln empfindet er als eine echte Erleichterung. "Es gibt nur eine Problemhaltestelle", sagt Press. In der Nordallee ginge es manchmal brenzlig zu. Außer ein paar Kratzern hat Press aber seine Tonnen-Vehikel immer unfallfrei in die Fuhrparkhalle gelenkt. "Da tut es weh, wenn etwas mutwillig im Bus zerstört oder bemalt wird oder Sitzpolster aufgeschlitzt werden." Wenn er mit seinen Kollegen nicht ständig gegen Verspätungen ankämpft, genießt er den Zusammenhalt im Straßenbahnerverein, verbringt Zeit mit seiner Frau und den beiden Söhnen und fährt Rad. Wenn der 49-Jährige der rollenden Untersätze überdrüssig wird, begibt er sich auf Schusters Rappen. Sein Ziel vor Augen: "Ich will im nächsten Jahr zehn Kilometer beim Stadtlauf schaffen."

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