Hut ab und Chapeau

TRIER. Kreatives Multitalent: Jakobine Wierz hält Vorträge in Rheinland-Pfalz und Nachbarländern, ist als eine von wenigen Hutmacherinnen bei der größten europäischen Hutschau mit von der Partie und schreibt pädagogische Bücher. Ihr jüngstes Projekt: Ein Domführer für Kinder.

Wenn man mit Jakobine Wierz über ihr Leben spricht, sollte man fürs Mitschreiben am Besten ausgeprägte Steno-Kenntnisse haben oder gleich das Diktiergerät mitlaufen lassen, um nur keine ihrer lebhaften Schilderungen zu vergessen. "Ich bin ein wirbelnder und quirliger Typ", bestätigt sie lachend. Um im gleichen Tempo schnellschussartig weitere Fragen zu beantworten. Ein Kind von Traurigkeit ist die 41-Jährige sicher nicht. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass sie aus Merchweiler stammt - Saarländer, so heißt es ja gerüchteweise, sind stets fröhliche Menschen. Auf jeden Fall ist Jakobine Wierz eine Frau, die mit beiden Beinen in einem ausgefüllten Leben steht. 16 Bücher und zahlreiche Aufsätze hat die Diplom-Pädagogin schon für verschiedene Verlage geschrieben, die hauptsächlich das Thema Kind und Kunst und Museumspädagogik zum Inhalt haben. In Seminaren und Fortbildungen im weiteren Umkreis setzt sie ihre Bücher praktisch um. Das 17. Werk stellte sie vergangene Woche vor: Der interaktive Domführer "Dominikus - Der Kleine Domdetektiv” für Kinder. Viel Wissenswertes verpackt die Pädagogin kindgerecht in dem Buch - kein Wunder, sie studierte im Erststudium Kunst, Kunstgeschichte und Theologie. "Dominikus” schrieb die stets schwarz Gekleidete in einem Wiener Caféhaus, bei einer leckeren Melange. Aufgefallen sei sie mit Block und Laptop im Café aber nicht. "Das ist man in Wien gewöhnt, dass einer schreibt.” Ungewöhnlich ist da schon eher eine von vielen anderen Betätigungen von Wierz: Das Herstellen von Filz-Hüten, das die aus einer Hutmacherfamilie Stammende als eine Art Meditation betrachtet.Hutmachen liegt ihr am Herzen

"Das Hutmachen liegt mir am Herzen, das Handwerk ist kurz vorm Aussterben”, glaubt sie. Als eine von 38 ausgewählten Hutdesignerinnen nimmt sie regelmäßig an der größten europäischen Hutschau in Neuburg an der Donau teil. Überhaupt ist Wierz ein kreativer Mensch. Einige Jahre führte sie in ihrem Haus in Trier-Irsch eine kleine Kunststube mit selbst gefertigten Keramiken und Seidensachen. Jetzt hat sie immer noch eine Auslage mit 60 bis 80 Hutkreationen, Stück für Stück ist ein Unikat. Hauptjob von Wierz ist ihre Dozententätigkeit an der Katholischen Fachschule für Sozialwesen. Dass sie dort einen guten Draht zu ihren Schülerinnen hat, beweist die jüngste Abschlusszeitung der angehenden Erzieherinnen. "Monsterkreativ”, "Lady in black”, "richtig tolle Lehrerin”, sind nur einige der Beschreibungen. Dass sie auch noch Zeit zum Reisen, Fotografieren, Lesen und Nähen eigener Kleidung findet, verwundert nur auf den ersten Blick. "Es heißt immer, Künstler sind sehr chaotisch. Dabei sind sie ein sehr strukturiertes Volk”, schmunzelt sie.