Hybridrasen für Pluwig ist vom Tisch

Hybridrasen für Pluwig ist vom Tisch

Etwa 250 000 Euro hätte ein neuer Fußballplatz aus Naturgras und Plastikfasern für die Anlage der DJK Pluwig-Gusterath gekostet. Das ist nicht finanzierbar, sagen die Chefs beider Gemeinden. Jetzt wird eine Reparaturlösung gesucht, an der sich auch der Sportverein finanziell beteiligen soll.

Pluwig/Gusterath. Der Naturrasenplatz in Pluwig bereitet den Fußballern der DJK Pluwig-Gusterath große Sorgen: Wenn es regnet, versickert das Wasser nicht mehr richtig. Der Platz ist oft wochenlang gesperrt. Außerdem sind darauf im Jahr nur etwa 600 Spielstunden möglich. Für Training und Spielbetrieb von zwei Senioren- und elf Jugendmannschaften reicht das kaum aus. Anfang 2013 hat der Sportverein den Bau eines neuartigen Hybridrasenplatzes (siehe Extra) vorgeschlagen. Dabei sind Plastikfasern ins Naturgras eingezogen. Resultat: 900 Spielstunden jährlich. Die Kosten für einen solchen Platz in Pluwig schätzt der Eifeler Hersteller auf bis zu 250 000 Euro. Die Ortsgemeinden Gusterath und Pluwig wollten die Idee prüfen.
Jetzt ist klar: Den Hybridrasen wird es nicht geben. "Das ist einfach nicht finanzierbar", begründet der Pluwiger Ortschef Wolfgang Annen. "Es muss eine Reparaturlösung geben." Man habe jetzt per Kamera die Drainage - das Rohrsystem, über das der Platz entwässert wird - durchleuchtet und die Rohre gereinigt. Laut Annen funktioniert das System grundsätzlich. Es müsse lediglich die stark verdichtete obere Rasenschicht gelockert werden, damit das Wasser ablaufe. Kosten: etwa 50 000 Euro. Der Platz müsse dann im Frühjahr 2014 für ein halbes Jahr gesperrt werden. Laut dem Gusterather Ortschef Alfred Bläser folgt bald noch eine zweite Drainagespülung. Anschließend müsse man prüfen, welche technischen Möglichkeiten es für eine Reparatur gebe. "Der Hybridplatz war ein Wunschgedanke", sagt Bläser. "Wir suchen jetzt die beste Lösung, um die nächsten Jahre zu überbrücken." Auf den Prüfstand kommen auch die hohen Unterhaltungskosten für die Anlage von 20 000 Euro im Jahr: "Da müssen wir was einsparen."
An den Kosten für den Platz soll sich auch der Sportverein beteiligen. "Über die Höhe des Beitrags müssen wir noch sprechen", sagt Annen. "Noch ist zu viel in der Schwebe", meint dazu DJK-Vorsitzende Elfriede Nauroth. "Wir sehen ein, dass der Hybridrasen nicht machbar ist", sagt Jörg Lyding, Leiter der Fußballabteilung. Aber auch zu einer Reparatur könne der Verein finanziell wenig beitragen. Die DJK arbeite jedes Jahr "mit ausgeglichenem Etat" und habe "kein Vermögen", sagt Kassenwart Günter Welter. Lyding bietet an, "mit Arbeitskraft" bei der Reparatur zu helfen oder mit Ständen bei Dorffesten etwas Geld beizusteuern.Hohe Energiekosten



Die hohen Energiekosten sind für Lyding "nicht nachvollziehbar". Das Vereinsheim werde kaum geheizt. Der Wasserverbrauch sei nicht messbar, weil das Haus keine eigene Wasseruhr besitze. Deshalb habe der Verein jetzt um einen Zwischenzähler gebeten.
Für den Pluwiger Ortschef ist klar: "Wir brauchen einen für alle tragbaren Kompromiss." Die Sportförderung des Landes sei "radikal gekürzt" worden, auch deshalb müsse der Bürger "Sparversionen" akzeptieren. Das letzte Wort hat aber die Kommunalaufsicht: "Auch 50 000 Euro müssen erst genehmigt werden", sagt Alfred Bläser.Meinung

Zurück in der Realität
Ein Hybridrasen für 250 000 Euro ist angesichts der angespannten Finanzlage beider Ortsgemeinden einfach nicht drin. Das haben alle Beteiligten in Pluwig und Gusterath rechtzeitig erkannt - und sind damit nicht der Versuchung erlegen, mit einem neuartigen Rasenmodell ein schickes Prestigeobjekt zu bauen und weitere Schulden anzuhäufen. Diese Entscheidung ist vollkommen richtig. Jetzt müssen die Beteiligten den Weg aber auch gemeinsam zu Ende gehen. Der Sportverein, der für beide wachsenden Ortsgemeinden wertvolle Jugendarbeit leistet, hat seinen guten Willen signalisiert. Wenn die tatsächlichen Kosten auf dem Tisch liegen, sollte sich der Verein unbedingt bemühen, trotz bescheidener Möglichkeiten einen Beitrag zu leisten - auch wenn er noch so gering ist. Auf der anderen Seite sollten die Ortsgemeinden jetzt nichts Utopisches verlangen oder das Projekt gar an der Höhe dieser Beteiligung scheitern lassen. trier@volksfreund.deExtra

Ein Hybridrasenplatz besteht aus einer Tragschicht aus Naturgras, in die kreuz und quer synthetische Fasern eingezogen werden. Die Fasern festigen Oberfläche und Erdreich bis zu einer Tiefe von zwölf Zentimetern. Laut Hersteller kann der Platz intensiver und länger genutzt werden als Natur- oder Kunstrasen: Bis zu 900 Stunden im Jahr verspricht die Firma Cordel-Bau aus Wallenborn (Vulkaneifelkreis), die für die Technik ein Patent angemeldet und zwei Hybridrasenplätze in Rheinland-Pfalz gebaut hat. Die Baukosten sind davon abhängig, wie viel vom ursprünglichen Naturrasen- oder Tennenplatz als Unterbau genutzt werden kann. Die Kosten schwanken zwischen 120 000 und 250 000 Euro. Die jährlichen Pflegekosten betragen etwa 8900 Euro. cweb