"Ich bin auf die falschen Leute reingefallen" - Musicalproduzent Michael Thinnes muss Insolvenz anmelden

"Ich bin auf die falschen Leute reingefallen" - Musicalproduzent Michael Thinnes muss Insolvenz anmelden

Eine deutschlandweite Tournee, große Hallen, Tausende Zuschauer: Musicalproduzent Michael Thinnes hatte Großes vor mit dem Musical "Die Drei Musketiere". Inzwischen musste er sowohl für seine Produktionsfirma als auch privat Insolvenz anmelden. Auf die derzeitige Tournee von "Musical Magics" hat das keinen Einfluss: Die Shows sind gesichert.

Foto: Herbert Thormeyer
Im 13. Jahr veranstaltet Produzent Michael Thinnes (Bild links) die Gala „Musical Magics“, die derzeit wieder durch die Region tourt (Foto rechts). Mit der Produktion der „Drei Musketiere“ (Bild Mitte) ist er in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Fotos (3): Archiv/Herbert Thormeyer, Archiv/Ursula Schmieder, Veranstalter. Foto: Ursula Schmieder

Wittlich/Trier. "Einer für alle und alle für einen!" Ein weltberühmter Satz aus Alexandre Dumas' Roman "Die drei Musketiere". Doch die mitreißende Geschichte über Stolz, Liebe und Verrat hat Musicalproduzent Michael Thinnes, der in der VG Wittlich-Land wohnt, in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht: Im Dezember 2014 hat er für seine Produktionsfirma "Miga" und auch privat Insolvenz angemeldet.

Die Vorgeschichte: 2013 erwarb Thinnes, in der Region bekannt als Veranstalter und Sänger der Gala "Musical Magics", die Lizenz für das Musical "Die drei Musketiere". Im Gegensatz zu Musical Magics - einem wie Thinnes sagt "regional gewachsenen Projekt", in dem neben ein paar Profis vor allem gute Amateure seit zwölf Jahren auf der Bühne stehen - sollten die drei Musketiere komplett professionell aufgezogen werden: Thinnes spricht von einer "Riesenproduktion" mit ausschließlich professionellen Darstellern, an der gut 50 Leute beteiligt waren.

Die erste Tour: Im ersten Jahr veranstaltete Thinnes die Tournee als Einzelunternehmer, firmierte dabei unter der Bezeichnung "Studio T". Gut 30 Aufführungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz waren geplant, tatsächlich aber fanden nur etwa eine Handvoll statt. Die meisten Termine wurden abgesagt. Der Hamburger Eventmanager Christian Schabert, der 2013 als Bühnentechniker mitwirkte, bemängelt organisatorische Probleme: "Die Kulissen waren nicht dafür geeignet, 30-mal auf- und abgebaut zu werden." Zudem gab es immer wieder - auch in den Medien - Kritik am Ton während der Veranstaltungen. Und so lief der Kartenvorverkauf für die weiteren Termine schleppend. Darüber hinaus machte sich Unzufriedenheit unter der Crew breit: Die Mitwirkenden arbeiteten auf Honorarbasis - laut Schabert bekamen sie aber nicht immer ihr Geld. Das bestätigt auch Tontechniker Fred Otto aus Solingen: "Die Tournee brach zusammen, weil kein Geld da war und die Auslastung nicht gut war." Michael Thinnes sagt heute: "Ich bin auf die falschen Leute reingefallen." Ein Geldgeber, der das Musical mitfinanzieren wollte, sei kurzfristig abgesprungen: "Ich bin auf sämtlichen Kosten sitzen geblieben."

Die zweite Tour: Dennoch wagte Thinnes 2014 einen neuen Versuch: Seine Frau und eine weitere Gesellschafterin gründeten die "Miga GmbH", Thinnes fungierte als Geschäftsführer. Erneut wurde eine bundesweite Tour für "Die drei Musketiere" geplant. Wieder fielen die meisten Termine aus - auch die im Dezember 2014 geplante Vorführung in der Arena Trier. Der Produzent begründet dies im Nachhinein mit dem schleppenden Kartenvorverkauf: "Das Publikum hat mir leider keine Chance mehr gegeben aufgrund der Vorkommnisse im Vorjahr."

Die Insolvenz: Ende 2014 meldete Thinnes dann sowohl für die Miga GmbH als auch privat Insolvenz an. Das zuständige Amtsgericht Wittlich hat mittlerweile das Verfahren eröffnet und die Trierer Rechtsanwältin Christine Frosch zur Insolvenzverwalterin bestellt. Diese Woche gab es die erste Gläubigerversammlung. Frosch spricht von einem "sehr aufwendigen Verfahren": "Wir haben es hier mit einer wahnsinnigen Anzahl von kleinen Gläubigern zu tun." Mehr als tausend sollen nach TV-Informationen Forderungen angemeldet haben - insbesondere Ticketkäufer, die nach der Absage der Show kein Geld zurückerstattet bekamen. Höhere Summen dürften aber beim Ensemble aufgelaufen sein. "Das ist sehr tragisch für die Künstler, die nicht angestellt waren und daher auch kein Anspruch auf Insolvenz-Ausfallgeld haben", räumt auch Frosch ein. "Ich bin nicht stolz darauf, wie es gelaufen ist", sagt Thinnes.

Das weitere Verfahren: Mit Hinweis auf das "nichtöffentliche Verfahren" äußert sich Insolvenzverwalterin Frosch nicht zur Höhe der aufgelaufenen Forderungen sowie zur vorhandenen Insolvenzmasse. Es gehe darum, die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen. Sie geht davon aus, dass beide Verfahren bis Ende des Jahres abgeschlossen werden können. Frosch ist "froh darüber, dass es gelungen ist, das, was sich lange Jahre bewährt hat, weiterzuführen": Eine neu gegründete Auffanggesellschaft - eine Unternehmensgesellschaft mit Thinnes' Ehefrau als Gesellschafterin und Thinnes selbst als Geschäftsführer - produziert die Musicalgala "Musical Magics" weiter. Bislang gab es drei Veranstaltungen. Dass die Künstler Michael Thinnes treu geblieben sind, wertet die Insolvenzverwaltung als gutes Zeichen. An diesem Samstag tritt das Ensemble in Daun auf. "Wir planen schon die Tour fürs nächste Jahr", sagt Thinnes. Die Gläubiger haben allerdings nichts davon, sollte die Show erfolgreich sein: In die Insolvenzmasse fließen die Gewinne der neuen Gesellschaft nicht. Der Name der Gesellschaft: "Why not".