"Ich bin restlos begeistert"

Nur eine große Orgel bietet auch ein großes Klangspektrum. Nach dem letzten Konzert in der Trierer Welschnonnenkirche ist diese Aussage nicht mehr haltbar. Ein zahlreiches Publikum konnte erleben, wie viel klangliche Abwechslung in dem dortigen musikalischen Kleinod steckt.

Trier. (gkl) "Ich bin von dieser Orgel restlos begeistert. Es ist ja fast unglaublich, welch einen Farbenreichtum dieses kleine Instrument besitzt." Diese Worte stammen von Orgelbaumeister Rainer Müller und zielen auf die Stummorgel in der Welschnonnenkirche. Dass Müller sich nach dem Konzert von Klaus Evers aus Bad Kreuznach so äußerte, mag auf den ersten Blick verwundern, denn schließlich hat Müller dieses Instrument selbst restauriert und teilweise auch rekonstruiert. Auf den zweiten Blick aber ist es schon verständlich. Die Aufgabe des Orgelbauers ist es, mit all seinem Können und Wissen dem Musiker ein möglichst optimales Werkzeug an die Hand zu geben. Wenn diese Arbeit getan ist, sind es die Organisten, die die vielen klanglichen Facetten in immer neuen Kombinationen zum Leben erwecken müssen.Maskulin-herber Charme

Mit einem Programm, das sich ausschließlich den Werken Johann Sebastian Bachs widmete, zauberte der Dekanatskantor ständig neue Klangaspekte in den Kirchenraum. So strahlte bei der Ouverture in F-Dur, BWV 820, schon gleich zu Anfang die Trompete mit maskulin-herbem Charme und äußerster Gravität. Eine besondere Vorliebe entwickelte Evers für die Voix humaine, die vorzugsweise in den Choralvorspielen ("Gottes Sohn ist kommen", BWV 703, "In dulci jubilo", BWV 729, "Jesu meine Freude", BWV 713) in Kombination mit immer anderen Stimmen das Klangbild bereichern konnte. Es verstand sich fast von selbst, dass die zehn Variationen der "Aria Variata a-Moll", BWV 989, für den registrierfreudigen Interpreten eine ganz besondere Quelle der Inspiration darstellten. Auch an seiner Spielkunst blieb kaum etwas auszusetzen. Musterbeispiel hierfür war die den Abend beschließende Toccata D-Dur, BWV 912, deren technische Anforderungen Evers mit Leichtigkeit bewältigte. Begeisterung löste Evers mit seinem Spiel nicht nur beim Orgelbauer aus. Lang anhaltender Applaus dankte dem Interpreten für einen farbenreichen Abend.