"Ich mach' mein Ding"

Voller Esprit, gesellig, bärig, ein Familienmensch: Das ist Rudolf Schöller, Leiter der Abteilung Erzeugung und Contracting der Trie-rer Stadtwerke. Auf der Terrasse im Lokal "Zum Nussbaum" am Longuicher Moselufer (Kreis Trier-Saarburg) hatte der 56-Jährige die Idee zu einem Pumpspeicherkraftwerk (der TV berichtete). Wo er Inspiration erfährt und auftankt, davon erzählt der Ur-Föhrener in unserer Serie.

Trier. Es gibt eine Person in meinem Leben, die mich besonders inspiriert hat und vor der ich den Hut ziehe: meine Mutter. Durch den frühen Tod meines Vaters stand sie mit sechs Kindern alleine da. Trotz der großen Last und eines chronischen Mangels an Geld hat sie nie resigniert und war immer fröhlich.
Dieser Start ins Leben hat mich vieles gelehrt: Zum einen, was es heißt, füreinander da zu sein und an einem Strang zu ziehen. Zum anderen, kreativ zu sein. Ein Fahrrad etwa habe ich mir aus vielen zusammengesuchten Einzelteilen bauen müssen, weil das nötige Kleingeld eben gefehlt hatte.
Ich bin eh ein Bastlertyp. Diese Fähigkeiten waren mir in meinem bisherigen Werden sehr nützlich. Ich lebe noch heute in meinem Geburtshaus in Föhren. Gemeinsam mit meiner Frau Marita habe ich es umgebaut: Es ist kein Luxushaus, nicht extra schön, aber es hat mit mir zu tun. Es ist ein Stück Familie, ein Stück Geborgenheit, ein Stück Eingebundensein in die Gemeinde - es ist mein Zuhause.
Von dort aus fahre ich gerne mit dem Fahrrad über Bekond, Klüsserath weiter moselabwärts. Station vor dem zehn Kilometer langen Heimweg mache ich regelmäßig im Lokal "Zum Nussbaum" am Longuicher Moselufer. Ich trinke einen Kaffee oder Viezsprudel, je nach Wetter auf der Terrasse oder an der Theke. Man trifft immer nette Leute, man hört einen guten Witz, man kann locker den Arbeitsalltag hinter sich lassen.
Fast. Denn von diesem Lokal aus sehe ich die Hochspannungsleitung auf dem Hummelsberg zwischen Ensch und Longen. Sie hat mich nun schon zum zweiten Mal entscheidend angeregt: Zum ersten Mal als Vierzehnjähriger nach meinem Volksschulabschluss. Mit großer Begeisterung hatte ich 1968 verfolgt, wie sie gebaut wurde. Diese Größe, diese Höhe, da wollte ich dabei und ein bisschen Herr der regionalen Stromversorgung sein! Aus dieser Faszination heraus machte ich bei der RWE-Gruppe in Trier eine Lehre zum Starkstromelektriker.
Rund vierzig Jahre später hat mich genau diese Hochspannungsleitung wieder beflügelt. Während ich auf meinem geliebten Terrassenplatz saß, tüftelte ich ein Projekt aus: Nach und nach reifte die Idee, da oben ein Pumpspeicherkraftwerk zu bauen, aus dem zu hundert Prozent Strom aus erneuerbaren Energien aus der Region für die gesamte Region gewonnen werden könnte.
Momentan sind wir in der Phase der Genehmigungsplanung. Wenn alles gut läuft, könnte es 2013 mit dem Bau losgehen. Damit geht eine Achterbahn der Gefühle einher: Ich schwanke zwischen Ehrfurcht vor diesem Millionenprojekt und "das packen wir schon".
Seit meiner Lehre damals bis heute habe ich mich beruflich noch einige Male weiterentwickelt: Ich habe noch ein paar Jahre die Schulbank gedrückt sowie ein Studium der elektrischen Energietechnik an der Fachhochschule Trier absolviert. Seit 1986 arbeite ich bei den Trierer Stadtwerken. Als Fachingenieur für Steuerungstechnik und Schaltanlagen habe ich begonnen.
Job ist das eine, Freizeit - meist - das andere. Es ist wichtig, einen Gleichklang zu finden. Zum vierzigsten Geburtstag habe ich mir eine Honda Goldwing inklusive sechsfachem CD-Wechsler gegönnt. Sie läuft wie ein U(h)r-werk: Mit H wegen der Präzision, ohne H wegen der Urkraft. Zwischen 80 und 180 Stundenkilometern fühlt sie sich wohl - und ich mich auch. Und wenn dann noch mein Lieblingslied, "Ich mach mein Ding" von Udo Lindenberg läuft, ist die Welt wunderbar.
Dieses Lied mit dem Refrain "Und ... ich mach mein Ding, egal was die anderen sagen. Ich geh meinen Weg" scheint für mich geschrieben zu sein. Ich identifiziere mich mit diesem Stück. Es ist mir wichtig, kreativ sein zu können, etwas von mir abzuleiten, was gebraucht wird.
Aber zurück zu weiteren Lieblingsplätzen: Seit 36 Jahren habe ich auch einen festen Platz am Stammtisch Erlenhof in Föhren. Ich bin gesellig, und unser Motto lautet: "Keine Feier ohne Meier." Wir treffen uns regelmäßig, planen Kurztrips und gehen an Karneval in die Bütt.
Ich mag es, in andere Rollen zu schlüpfen. Aus diesem Grund stehe ich auch mit der Föhrener Theatergruppe auf der Bühne. Mal als Küster, mal als Ehemann in allen Facetten. Aber meine sieben "Haupt-Hobbys" sind meine Frau, unsere vier Söhne - sie haben alle gemeinsam eine Firma, die Solaranlagen baut und betreibt -, unser Haus und meine Goldwing.
Wenn ich mit meinem Motorrad durch Trier fahre, komme ich auch immer wieder an meinem Lieblingsbauwerk vorbei: die Basilika. Warum? Sie hat das optimale Dach für Solaranlagen - erstklassige Lage, kein Lüftungselement und kein Schornstein stören, und sie ist nach Süden ausgerichtet. Aber keine Angst, wir machen da nichts! Trier ist der zentrale Punkt der Region und eine schöne Stadt, oder wie der Trierer sagen würde: "Quant." Aber ich bin ein Ur-Föhrener und da wo meine Familie ist, da bin ich zu Hause.
Aufgezeichnet von Katja Bernardy