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"Ich versteh’ das einfach nicht..."

"Ich versteh’ das einfach nicht..."

TRIER. Die täglichen Nachrichten über bürgerkriegsartige Unruhen in Frankreich, ausgelöst durch frustrierte Jugendliche (der TV berichtete), lassen Trierer Schüler und Lehrer nicht kalt. Der Einsatz des "France-Mobil" im 11. Jahrgang am FWG widmete sich während dieses besonderen Französischunterrichts auch dem Gewaltthema.

"Unsere Schüler können nicht verstehen, was sich dort in Frankreich abspielt", sagt die Fachbereichsleiterin für Fremdsprachen, Kerstin Beckmann. "Weil die Konditionen im Gegensatz zu Frankreich hier völlig anders sind", fügt sie hinzu. Entscheidend sei die relativ gute Durchmischung innerhalb der Bevölkerung. Da könnten solche Entwicklungen nicht so schnell entstehen. Cloé Kolb, die Referentin des "France-Mobil", versucht das Gewaltthema musikalisch zu thematisieren. Sie legt eine CD in den Recorder. Die Referentin erklärt: "Dies ist Musik der dritten Generation der aus ehemaligen Kolonien zugewanderten Immigranten. Ihre kulturellen Wurzeln liegen aber immer noch im nordafrikanischen Maghreb." Die mangelnde kulturelle Integration sei eine Ursache der "brennenden" Thematik. Die Schüler sprechen über ihre Erlebnisse während eines Frankreichaufenthalts. Sie vergleichen die Wohnsituation in Deutschland, speziell in Trier, mit den Vororten in den großen Städten, den Banlieus. "Hier, in einem solchen Banlieu, wo ein Betonhochhaus neben dem anderen steht, könnte ich nicht leben", so eine Schülerin. "Es macht mir Angst." Das signalisiert Verständnis mit den Problemen der französischen Jugendlichen. Vor dem Hintergrund ihres persönlichen, meist privilegierten Alltags können die Trierer Gymnasiasten aber nicht richtig verstehen, was die Jugendlichen in Frankreich dazu veranlasst, mit solch brachialer Gewalt gegen Menschen, soziale Einrichtungen, Geschäfte und Autos vorzugehen.Schüler lehnen Gewalt ab

Die Meinungsäußerungen der Schüler am FWG sind nicht repräsentativ. Sie spiegeln aber Stimmungen von Jugendlichen wider, die vom Ausbruch der Gewalt in Frankreich überrascht worden sind. Die Schüler lehnen solche Gewaltaktionen ab. Sie zeigen Unverständnis über die Reaktion der Jugendlichen in Frankreich. Aber sie klammern die Ursachen, die zur Entstehung der Gewaltorgien führt, nicht aus. Sie sehen die Banlieus als Problemviertel. Die soziale Abschottung in diesen Ghettos halten sie für den ursächlichen Grund. Auch Trier-West wird von den Schülern als Problemviertel genannt. Aber die soziale Struktur sei überhaupt nicht mit den Banlieus zu vergleichen. Aus diesem Grund könne es auch eine solche Gewaltentwicklung in Trier nicht geben. Das ist die einhellige Meinung der 17-jährigen Schüler. "Auch das Schulsystem in Deutschland trägt dazu bei, dass sich diese Art der Gewalt, diese kollektive Eskalation, nur schwer entwickeln kann", ist Kerstin Beckmann überzeugt. "Es gibt, trotz der durch Pisa festgestellten sozialen Benachteiligung in der Schule, wesentlich mehr Chancengleichheit als in Frankreich."