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"Ich will aufmerksam hinschauen und zuhören"

"Ich will aufmerksam hinschauen und zuhören"

Das Warten hat ein Ende: Die etwa 16 200 Katholiken im Ruwertal haben wieder einen Hirten. Ralf-Matthias Willmes tritt am Sonntag sein Amt als leitender Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Waldrach an. Mit dem TV hat er über Ziele, Herausforderungen und die Zusammenarbeit mit den kirchlichen Mitarbeitern gesprochen.

Waldrach/Trier-Ruwer. "Wenn ich um die 50 bin, ist die Zeit für einen Wechsel reif. Das war immer klar", sagt Pfarrer Ralf-Matthias Willmes. Der 49-Jährige, geboren in Bitburg und aufgewachsen in Trier-Ehrang, übernimmt ab Sonntag die priesterliche Leitung der Pfarreiengemeinschaft (PG) Waldrach. Zuvor war er 17 Jahre Seelsorger im Saarland (siehe Extra).
"Hier gibt es eine Situation, die ich interessant finde", begründet Willmes seinen Umzug ins Ruwertal - und meint damit, dass dort etwa 16 200 Katholiken seit April auf einen neuen Hirten warten. "Bis 2020 sollen es laut Prognosen sogar 18 000 sein", sagt Willmes. Im Saarland sei die Zahl zuletzt "eher rückläufig" gewesen. "Es war neu für mich zu sehen, wie viele Taufanmeldungen es hier gibt."
Vor Willmes hatten sich drei Priester die Leitung der PG Waldrach geteilt und jeweils die Räume Ruwer, Osburg und Pluwig betreut. Das Bistum Trier bat um einen personellen Wechsel, damit die neue Einheit schneller zusammenwächst (siehe Hintergrund). Dass er nun allein verantwortlich ist, sieht Willmes als Herausforderung. Zu seinen Zielen sagt er: "Ein leitender Pfarrer ist gut beraten, im ersten Jahr aufmerksam hinzuschauen und zuzuhören." Mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern wolle er dann überlegen, "wie die Seelsorge hier aussehen kann. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit."
Rotation für die Präsenz


Das Pastoralteam besteht aktuell aus vier Priestern, einem Diakon, einer Gemeindereferentin und einer -assistentin. Klar ist für Willmes: "Den klassischen Pastor vor Ort gibt es so nicht." Das Team werde aber "rotieren", um überall präsent zu sein - bei Sonntagsmessen, Erstkommunionen, Taufen und Beerdigungen. "Es wird einen angemessenen Wechsel geben", verspricht Willmes. "Akzente" wolle das Team in der Familienseelsorge setzen. Die Aufgabenverteilung brauche aber Zeit: "Jeder hat andere Stärken. Diese Vielfalt ist eine spannende Sache, mit der wir viele unterschiedliche Menschen ansprechen können."
Dass er in Pluwig wohnt, will Willmes nicht als "Signal in irgendeine Richtung" verstanden wissen. An seinem zentralen Dienstort Waldrach gebe es eben keine Pfarrerwohnung. Ab Montag will der 49-Jährige in allen zwölf Pfarreien Messen halten und die Gremien besuchen, "damit ich ein Gefühl für die Menschen bekomme". Viele hätten "hohe Erwartungen", aber das "Klima" sei überall "freundlich".
Als 2012 der Abschied der bisherigen Priester und die Reduzierung auf einen leitenden Pfarrer bekannt wurden, hatte dies zunächst bei vielen Mitarbeitern für Unmut gesorgt. Für Willmes ist entscheidend: "Wie können wir Menschen zeitgemäß die frohe Botschaft des Evangeliums verkünden? - unabhängig von der Größe der Einheit." Die Antwort müsse man gemeinsam suchen.
Heimisch fühlt er sich im Ruwertal bereits, zumal es keine "allzu großen Mentalitätsunterschiede" zu den Menschen im Saarland gebe. Auch ist das Elternhaus in Trier nicht weit: "Das war aber nicht ausschlaggebend."Extra

Ralf-Matthias Willmes wurde 1964 in Bitburg geboren. Er wuchs in Trier-Ehrang auf, dort leben auch heute noch seine Eltern. 1990 weihte ihn der damalige Trierer Bischof Hermann Josef Spital in Trier zum Priester. Er war Kaplan in Merzig und Vikar in Plaidt (Kreis Mayen-Koblenz) und Andernach. Seit 1996 war Willmes Pfarrer im saarländischen Nunkirchen, betreute seit 2011 als Seelsorger 14 000 Katholiken in der Pfarreiengemeinschaft Wadern. Seit 2004 war er Dechant im Dekanat Losheim-Wadern. Am Sonntag, 29. September, tritt der 49-Jährige sein Amt als neuer leitender Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Waldrach an. Der Gottesdienst beginnt um 15 Uhr in der Laurentiuskirche in Waldrach. cwebExtra

Die Pfarreiengemeinschaft (PG) Waldrach ist 2010 im Rahmen der Strukturreform des Bistums Trier aus den drei PG Osburg, Pluwig und Trier-Ruwer/Waldrach entstanden. In ihrem Gebiet leben laut Bistum aktuell etwa 16 200 Katholiken in zwölf Pfarreien: Trier-Ruwer, Mertesdorf, Kasel, Morscheid/Riveris, Waldrach, Farschweiler, Osburg, Thomm, Lorscheid, Gutweiler, Pluwig und Schöndorf. Betreut wurden die Pfarreien bis Sommer 2012 von einem dreiköpfigen Priesterteam aus Erwin Recktenwald (Raum Osburg), Rainer Justen (unteres Ruwertal) und Thomas Corsten (Raum Pluwig). Alle drei wechselten auf Wunsch des Bistums ihre Stelle, um einen personellen Neuanfang zu ermöglichen. Pfarrer Recktenwald ging im April 2013, seither war die PG Waldrach ohne priesterliche Leitung. cweb