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"Ichor" macht keine Gefangenen und gewinnt Wettbewerb

"Ichor" macht keine Gefangenen und gewinnt Wettbewerb

Gut einhundert Zuschauer haben sich zum Finale des "Modern Music Award"-Wettbewerbs im Balkensaal des Exhauses in Trier eingefunden, wo vier Bands um die Gunst der Jury und des Publikums spielen. Die Bands sind vorher in den Halbfinalen in Hermeskeil und Saarburg gekürt worden.

Trier. Den Anfang im Balkensaal machen "Ivan Ivanovitsch and the Kreml Krauts". Die heizen dem Publikum vom Start weg mit schmissigem Liedgut im hüpfendem Offbeat derartig ein, dass der typische leere Halbkreis vor der Bühne schnell kleiner wird. Nach kaum einer Viertelstunde wird sogar getanzt.

Für selbstironisches Spiel wie bei den Möchtegernrussen ist bei "Ichor" kein Platz mehr. Benannt nach mythischem Götterblut macht die Trierer Formation reinrassigen Death Metal und keine Gefangenen: Während das Publikum zur hyperventilierenden Basedrum die Köpfe schüttelt, grunzt der muskulöse Sänger, der im grünen Scheinwerferlicht zeitweise aussieht wie Hulk, seine Texte ins Mikro. Sicher nicht jedermanns Sache, besticht das Soundinferno auf jeden Fall durch Exaktheit, Dichte und eine ungeheure Energie.

Pfeilschnelle Gitarrenläufe



Da hat die nächste Band "A Perfect Goodbye" erstmal schweres Spiel, fährt doch auch deren Emocore durchweg in den höheren Gängen: Die Gitarre schießt pfeilschnelle Läufe übers Doublebass-Gewitter, während Sänger Daniel sich das Herz aus dem Leib brüllt. Mit der martialischen Wucht ihrer Vorgänger können Sie es allerdings nicht aufnehmen, vielleicht sollten sie das auch gar nicht, liegen ihre Stärken doch eher in harmonischen Versatzstücken und atmosphärische Soundscapes. Auch die nächste Band drückt das Gaspedal tief ins Bodenblech: "A Hurricane's Revenge" klingen deutlich klassischer als ihre zwei Vorgänger nach Rock'n'Roll und 77-er Punk.

Das Urteil der Jury deckt sich fast völlig mit dem des Publikums: Einen dritten Platz und 500 Euro gibt's für "A Perfect Goodbye", 1000 Euro dürfen "A Hurricane's Revenge" mit nach Hause nehmen. Nochmal 500 Euro höher ist der erste Platz dotiert, mit dem "Ichor" natürlich "nie im Leben gerechnet hätten", wie Sänger Eric beteuert. Nicht so richtig freuen können sich natürlich "Ivan Ivanovitsch and the Kreml Krauts", die mit leeren Händen aus dem Exhaus ziehen. Auch wenn die anderen Bands ihnen ihren Respekt aussprechen, so bringt es doch ein "Ichor"-Fan auf den Punkt: "Trier ist halt 'ne Metal-Stadt."