Ideen für einen grünen Stadtteil Trier-West

Ideen für einen grünen Stadtteil Trier-West

Trier-West wird in spätestens 15 Jahren ein neues Gesicht zeigen. Die Umgestaltung der Jägerkaserne und des ehemaligen Busdepots der Stadtwerke ist dafür ein Schlüsselprojekt. Der Siegerentwurf des Gestaltungswettbewerbs ist vielversprechend.

So könnte das neue Wohnareal in Trier-West aussehen. Der Siegerentwurf kommt von einer Arbeitsgemeinschaft aus Berlin. Grafik: Machleidt/Sinai/Winkelmüller. Foto: Rainer Neubert
Hier könnte in einigen Jahren deutlich mehr Grün den Stadtteil Trier-West attraktiver machen. Foto: Rainer Neubert

Sonntagsspaziergang im Jahr 2029: Vom Markusberg kommend, folgt der Wanderer dem idyllischen Weg am Irrbach entlang in Richtung Mosel. Nachdem er den Wald verlassen hat, freut er sich über die noch junge Baumallee, die zum neuen Stadtquartier leitet. Nur vier restaurierte Gebäude sind von der Jägerkaserne geblieben. Am Wasserband spielen Kinder, die mit ihren Eltern in einem der Reihenhäuser oder den mehrgeschossigen Neubauten wohnen.
Auch auf der anderen Seite der Eurener Straße stehen neue Gebäude. Sie lassen reichlich Raum für die grüne Verbindung zur Mosel, die durch den lustig sprudelnden Irrbach markiert wird …Wo der in den Fluss mündet, zeigt der erst kürzlich errichtete Barbarasteg Spaziergängern und Radfahrern den direkten Weg auf die andere Moselseite. Dort wartet die verdiente Erfrischung …

Wenn in den nächsten Jahren realisiert wird, was die drei Sieger des Gestaltungswettbewerbs für die gut zehn Hektar große Fläche von Jägerkaserne und Ex-Stadtwerke-Busdepot erarbeitet haben, ist ein solch idyllischer Spaziergang keine Fantasterei. Davon ist auch Baudezernent Andreas Ludwig überzeugt: "Früher war Trier-West ein Quartier der Kasernen. In Zukunft wird es ein hochwertiger Wohnort sein."

Alleine in dem derzeit wenig attraktiven Kasernenareal sollen 300 Wohnungen in allen Preislagen entstehen. Noch einmal 180 könnten es auf der Brache des ehemaligen Busdepots sein. Das entspricht neuem Wohnraum für etwa 1000 Menschen.

15 Arbeitsgemeinschaften aus Städteplanern und Landschaftsarchitekten hatten sich an dem mit insgesamt 80?000 Euro dotierten Gestaltungswettbewerb beteiligt. Unter dem Motto "Neues Wohnen am Grünzug vom Lenus-Mars-Tempel zur Mosel" ging es dabei nicht nur um herausragende städtebauliche und freiraumplanerische Entwürfe. Aufgabe war es auch, Bezüge zur Nachbarschaft herzustellen, in der, unabhängig von der Umgestaltung des elf Fußballfelder großen Kasernenareals, in den kommenden Jahren große Sanierungsprojekte anstehen.

Zudem grenzt das 2,3 Hektar große Stadtwerkegelände auf der zu Mosel gelegenen Seite der Eurener Straße an das mächtige Areal von Bahnausbesserungswerk und Bobinet, wo in den kommenden Jahren ebenfalls mehr als 600 Wohnungen entstehen sollen (der TV berichtete). Sozialdezernentin Angelika Birk und weitere Experten der Stadtverwaltung, Mitglieder des Stadtrats und der Sprecher des öffentlichen Workshops zur Gestaltung der Jägerkaserne waren deshalb an Vorprüfung und Beratungen beteiligt, bevor die sieben Preisrichter der Jury am Mittwoch ihr einmütiges Votum für den Siegerentwurf abgeben durften.

Ob die für ihre "herausragende Freiraumplanung" gelobte Berliner Arbeitsgemeinschaft Machleidt/Sinai/Winkelmüller allerdings wirklich für die voraussichtlich mehr als 100 Millionen Euro teure Entwicklung des Gebiets den Planungsauftrag erhält, ist noch nicht sicher. Nach Aussage von Baudezernent Ludwig sind auch die zweitplatzierten Thomas Schüler (Düsseldorf)/Faktorgrün Freiburg) und die Wiener Architects Collective/Arge Weidlfein (Platz drei) noch nicht aus dem Rennen.

Der Zeitplan: Möglichst noch in diesem Jahr soll ein Investor gefunden werden. Nächster Schritt ist ein Bebauungsplan. Gebaut werden könnte dann ab 2018.

Alle Entwürfe für den Wettbewerb sind von Dienstag bis Samstag, 16 bis 19 Uhr, im Gebäude 11 der Jägerkaserne zu besichtigen.

Meinung

Von Rainer Neubert

Bitte Projekte
statt Visionen!


Zu schön, um wahr zu sein - das könnte die erste Reaktion auf die ambitionierten Pläne für die Zukunft der Jägerkaserne sein. Zu lange warten die Menschen in Trier-West schon darauf, dass sich Großes tut in ihrem Stadtteil. Der gemeinsam mit viel Herzblut erarbeitete Masterplan wartet seit 2008 darauf, mehr als nur rudimentär umgesetzt zu werden. Im Wohnungsnotstandsgebiet Gneisenaubering ist der Frust groß, weil die Instandsetzung der Wohnungen in den denkmalgeschützten Gebäuden kaum vorankommt.

Projekte voranbringen, das eine tun, ohne das andere sein zu lassen. Wenn dieser Vorsatz im "neuen" Stadtvorstand tatsächlich umgesetzt wird, besteht tatsächlich Hoffnung für Trier-West und die Vision von einem Stadtteil, der schon jetzt besser ist als sein Ruf.