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Idiotentest statt Führerschein

Idiotentest statt Führerschein

Seit Jahresbeginn werden junge Schläger und Drogenkonsumenten verwarnt, wenn sie der Polizei auffallen. Läuft es schlecht, ist der Traum vom Fahren erst einmal ausgeträumt.

Wer betrunken randaliert, mit Drogen erwischt wird oder sich aggressiv verhält, riskiert neuerdings seinen Führerschein - egal, ob er ihn schon hat oder erst noch machen will. Das in der Region Trier Anfang des Jahres gestartete Projekt Gelbe Karte, mit dem vor allem auffällig gewordene Jugendliche und junge Erwachsene verwarnt und von Wiederholungen abgehalten werden sollen, scheint sich auszuzahlen.

Von einzelnen Führerscheinstellen wurden demnach bereits Dutzende Gelbe Karten verschickt, ergab eine Umfrage unserer Zeitung. Mit Abstand die meisten Verwarnungen hat danach die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich verschickt. "Seit Jahresbeginn hat unsere Führerscheinstelle 42 Gelbe Karten und 28 Infoschreiben verschickt", sagt Sprecher Mike-D. Winter. Als Beispiel führt Winter einen mit Amphetaminen auffällig gewordenen 16-jährigen Jugendlichen an. "Der bekommt von uns ein Schreiben mit der Info, dass er bei der Beantragung eines Führerscheins mit weiteren Überprüfungen oder Maßnahmen rechnen muss", sagt der Behördensprecher. Im Klartext: Ohne einen sogenannten Idiotentest oder andere Auflagen dürfte der junge Mann erst gar keinen Führerschein bekommen.
Die Namen der wegen Drogen oder anderer Verstöße aufgefallenen Jugendlichen oder Erwachsenen bekommen die jeweils zuständigen Führerscheinstellen von der Polizei. "Seit Start des Projekts haben unsere Inspektionen bislang 105 Mitteilungen gemacht", sagt der Sprecher des Trierer Polizeipräsidiums, Uwe Konz. Welche Konsequenzen aus den Meldungen gezogen werden, entscheidet die jeweilige Führerscheinstelle. In Bernkastel-Wittlich war das in vier Monaten häufig der Fall, im Eifelkreis Bitburg-Prüm nie. "Wir bekamen von der Polizei keine Meldungen", sagt Behördensprecherin Heike Linden. Damit dürfte der Eifelkreis in dem Punkt eine Insel der Glückseligkeit sein. Im Kreis Trier-Saarburg wurden in diesem Jahr 18 Gelbe Karten verschickt, davon allein zwölf an junge Leute ohne Führerschein; im Vulkaneifelkreis waren es sieben schriftliche Verwarnungen. Trier verschickte 28 Gelbe Karten - fast alle an männliche Empfänger; auch hier war der jüngste Verwarnte gerade einmal 16 Jahre alt. Polizeisprecher Uwe Konz zieht eine positive Zwischenbilanz des Projekts. Die Zusammenarbeit mit den Führerscheinstellen habe sich bewährt, drohende Fahrverbote oder Führerscheinentzug schmerzten besonders junge Fahrer.

Auch im Mainzer Innenministerium ist man mit dem inzwischen nahezu landesweit praktizierten Verfahren der schriftlichen Verwarnungen zufrieden. Die ersten Erfahrungen vermittelten ein positives Bild von der Wirksamkeit der Gelben Karte, sagte Innenminister Roger Lewentz auf Anfrage unserer Zeitung. Er sei daher zuversichtlich, "dass wir mit dieser Maßnahme eine Antwort auf aggressives Verhalten geben".

Eine Übersicht über die landesweiten Zahlen soll Ende des Jahres vorliegen. Erfahrungen über Wiederholungstäter gibt es derweil aus der Westpfalz, wo das Projekt Gelbe Karte schon länger läuft. Dort fiel etwa jeder vierte Verwarnte ein zweites Mal auf.

Jung, männlich, führerscheinlos