Igel sagt Bahn den Kampf an

Für den Fall, dass die Bahn ihre Planung zum zweigleisigen Ausbau bei Igel nicht nachbessert, kündigt die Gemeinde Widerstand an. Dann werde man alles tun, um den Ausbau zu verhindern, sagt der Gemeinderat.

Erst kriegt die Bahn Zucker, dann gibt es Zunder. Der Bau eines zweiten Bahngleises zwischen dem Igeler Bahnhof und der Luxemburger Grenze sei wegen der geplanten Zunahme des Schienenverkehrs notwendig, konstatiert der Gemeinderat am Montagabend. Die Worte, die der Rat im weiteren Verlauf seiner vierseitigen Stellungnahme zu dem Projekt wählt, klingen nicht mehr so freundlich. Etliche Pferdefüße, die die Planung der Bahn in ihren Augen hat, listen die Igeler Gemeindeväter auf.

Bahnhaltepunkt: Der vorgesehene Bau eines Außenbahnsteiges am Bahnhof führe dazu, dass keine Parkplätze mehr zur Verfügung stünden, lautet ein Vorwurf. Igel solle ab Dezember 2014 Regelbahnhof werden, was bedeute, dass alle Nahverkehrszüge dort hielten. Von derzeit 36 Zügen steige die Zahl bis zum Jahr 2025 auf 108. "Fehlender Parkraum wird ein Parkchaos verursachen", befürchtet der Gemeinderat. Zudem seien die Wege zum Bahnhof für das zu erwartende Verkehrsaufkommen nicht geeignet; auch Schäden an Gemeindestraßen seien unausweichlich. Hinzu komme die Gefährdung des Durchgangsverkehrs auf der B 49 und die hohe Lärmbelästigung der Anwohner.

Drei Ergebniskorrekturen fordert das Gremium. Erstens: Die getrennten Genehmigungsverfahren für die Bahnhofsumgestaltung und den Gleisausbau müssen zusammengezogen werden. Zweitens: Die Planung darf nur umgesetzt werden, wenn es ein Parkraumkonzept gibt. Und drittens: Es muss einen finanziellen Ausgleich geben für die zu erwartenden Schäden an den Gemeindestraßen.

Lärmschutz: Eine bis zu vier Meter hohe Lärmschutzwand vor den Häusern in der Igeler Ortsmitte würden das Problem eher verschärfen als es lösen, sagt der Rat. Die Verschattung mache Gebäude teilweise unbewohnbar. Güterzüge seien für den gesamten Ort das größte Problem. Die Lebensqualität und die Bodenrichtwerte würden sinken, die Wohnattraktivität leide. Diese Erfahrung habe man ja schon mit dem Tanktourismus gemacht. 20 000 Fahrzeuge schlängelten sich tagtäglich über die B 49, so Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig. Igel sei mit dem Straßenverkehr schon genug gebeutelt.
Dass der Güterverkehr bis zum Jahr 2025 nur leicht ansteige (laut Bahn auf nicht mehr als 40 Züge pro Tag) hält der Rat für keine seriöse Prognose. In den Planunterlagen gebe es dazu keine Angaben, im Übrigen auch nicht zu der von der Bahn bei einer Bürgerversammlung ins Spiel gebrachten niedrigen Gabionenwand in Gleisnähe als Alternative zur hohen Lärmschutzwand. Der Gemeinderat fordert, die maximale Zahl der Güterzüge verbindlich festzuschreiben. Ferner dürfe mit dem Gleisbau erst begonnen werden, wenn die Westtrasse durch die Trierer Stadtteile für Personenzüge reaktiviert werde.
Die Ausbaupläne der Bahn liegen noch bis 21. Dezember bei der VG-Verwaltung aus. Bauamtschef Werner Monzel und Ortsbürgermeister Scharfbillig sagten zu, Bürgern bei der Formulierung von Einwänden behilflich zu sein.Meinung

Noch ist Igel nicht verloren
Auch wenn die Stellungnahme des Gemeinderats so klingt, als sei Igel der bedauernswerteste und gebeuteltste Ort der Republik, besteht kein Grund zur Panik. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das wird sich auch beim Bahnprojekt bewahrheiten. Denn wer 19 Millionen Euro investiert, um eine Schienenverbindung leistungsfähiger zu machen, wird wohl kaum an einigen Parkplätzen sparen wollen. Wie es aussieht, sind sich ja auch die Anwohner einig, dass sie die kleine Mauer in Verbindung mit Lärmschutz an den Häusern wollen und keine Riesenwand. Fairerweise sollten auch die Vorteile in die Waagschale geworfen werden, die Igel durch das zweite Gleis hat. Neben einer guten Busanbindung gibt es dann auch eine Premium-Zugverbindung. Noch ist Igel nicht verloren. a.follmann@volksfreund.de