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Igeler Bürger gegen Lärmschutzwand

Igeler Bürger gegen Lärmschutzwand

Mehr als 40 Hauseigentümer aus Igel haben Einspruch gegen die Pläne zum zweigleisigen Ausbau der Bahn zwischen Igel und Wasserbillig eingelegt. Sie lehnen insbesondere eine bis zu vier Meter hohe und 620 Meter lange Lärmschutzwand ab und fordern stattdessen schalldämmende Maßnahmen an ihren Häusern.

Igel. Wie es aussieht, sind sich die Igeler, die im Ortskern in unmittelbarere Nähe zur Bahn wohnen, einig: Von einer bis zu vier Meter hohen Wand möchte sich niemand schützen lassen, wenn das zweite Gleis zwischen dem Igeler Bahnhof und Wasserbillig gebaut ist und dadurch wesentlich mehr Züge als bisher fahren können.
Im derzeit laufenden Planfeststellungsverfahren für das 19 Millionen-Euro-Projekt (siehe Extra) hat der Bauträger, die DB Netz AG, eine 620 Meter lange Schallschutzwand vorgesehen. Die Anwohner haben Anspruch darauf, allerdings wollen sie die Mauer nicht. Sie bringe mehr Nachteile als Vorteile, heißt es. Keine freie Sicht mehr auf die Mosel, weniger Tageslicht, geringere Lebensqualität, Wertminderung der Häuser und Grundstücke - so lauten die Begründungen.
Mehr als 40 vom Bahnausbau betroffene Hauseigentümer haben bis zu der kürzlich zu Ende gegangenen Einspruchsfrist ihre Bedenken vorgebracht. Unter ihnen ist Uwe Berger, dessen Haus in der Trierer Straße nur wenige Meter von den Gleisen entfernt liegt. "Mit der 74 Zentimeter hohen Gabionenwand und passiven Lärmschutzmaßnahmen könnte ich leben", sagt Berger, "aber die kleine Lösung ist im Planfeststellungsverfahren nicht erwähnt. Deshalb müsste es ein ganz neues Verfahren geben."
Rechtsanwalt eingeschaltet


Berger hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen: "Es muss ja alles hieb- und stichfest sein."
Auch Dunja Nieß wohnt nahe an der Bahn, allerdings weiter östlich, in der Bahnhofstraße. Hier, in der Nähe des Igeler Bahnhofs, ist eine 2,50 Meter hohe Lärmschutzwand vorgesehen. "So eine Mauer möchte ich nicht vor der Nase haben, die nimmt mir das Tageslicht weg", sagt sie. Auch die schienennahe Gabionenwand aus Steinkörben bringe an dieser Stelle nichts, meint Dunja Nieß. Sie hat sich in ihrer Eingabe für passiven Lärmschutz wie beispielsweise doppelverglaste Fenster ausgesprochen.
Die für das Verfahren zuständige Stelle, der Landesbetrieb Rheinland-Pfalz in Koblenz, sichtet nun die mehr als 40 Einwände aus Igel und fordert dann die Netz AG auf, Stellung zu beziehen. Projektbetreuer Franz-Josef Kerber von DB Netze hatte bei einem Anliegergespräch im Herbst 2012 in Igel die kleine Gabionenwand als mögliche Alternative ins Spiel gebracht, aber auch angedeutet, dass alle Anwohner dafür sein müssten. Wenn auch nur einer für die große Lärmschutzlösung plädiere, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese auch umgesetzt werde. Schließlich hätten die Bürger ja einen Anspruch auf eine wirksame Lösung, die allerdings auch wirtschaftlich vertretbar sein müsse. Beim Lärmschutz gehe "aktiv vor passiv".
Ob Anspruch auf passiven Lärmschutz bestehe, müssten individuelle Untersuchungen an den Häusern zeigen, so Kerber. Jede Immobilie und jede Wohnsituation sei anders und müsse dementsprechend gesondert begutachtet werden.
Während die Bürger Angst vor einer Riesen-Lärmschutzwand haben, plagt die Gemeinde ein anderes Schreckensszenario: das drohende Parkchaos in der Bahnhofstraße. Dazu käme es nämlich, meint Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig, nachdem der neue Außenbahnsteig am Igeler Bahnhof erst einmal gebaut sei. "Es ist nicht vorstellbar, dass im Jahr 2015 mehr als 100 Züge täglich in Igel halten und nur acht bis zehn Parkplätze zur Verfügung stehen."
Der Gemeinde schwebt vor, dass die Bahn die Fußgängerunterführung am Bahnhof verlängert und an der Mosel neuen Parkraum schafft.
Weil die Bahnhofserweiterung aber verfahrenstechnisch vom zweigleisigen Ausbau der Strecke abgekoppelt ist, befürchtet Ortschef Scharfbillig, dass die Gemeinde auf den Kosten sitzenbleibt. "Die Bahn sagt: ,Guckt, wie ihr klarkommt.\' Das können wir nicht hinnehmen. Deshalb können wir auch dem ganzen Projekt nicht zustimmen, obwohl wir den Ausbau grundsätzlich befürworten."
Extra

Zwischen Igel und Igel-West (Grenze) wird auf zwei Kilometern Länge ein zweites Bahngleis verlegt. Im Frühjahr 2013 sollen die Arbeiten beginnen, 2015 sollen sie abgeschlossen sein. Die Investitionen von 19 Millionen Euro (Luxemburg beteiligt sich mit acht Millionen Euro) beinhalten die Erneuerung von Brücken (unter anderem die Bahnüberführung der B 49), Felshang-Sicherungen und den Bau einer Lärmschutzwand. Ziel ist es, die Strecke leistungsfähiger zu machen. Heute verkehren etwa 60 Züge pro Tag auf der Igeler Route, 2025 sollen es 150 sein. Die Regionalbahn, die bisher in Trier-Hauptbahnhof endet, soll ab dem Jahr 2015 bis Luxemburg weiterfahren. alf