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Igeler Säule: Mit der Wurzelbürste über den Dächern Igels

Igeler Säule: Mit der Wurzelbürste über den Dächern Igels

Tropfen für Tropfen. Auto für Auto. Flechte für Flechte. Natürliche und vom Menschen verursachte Einflüsse greifen die Substanz der Igeler Säule (Kreis Trier-Saarburg) an. Tag für Tag. Um den Verfall des Unesco-Weltkulturerbes zu stoppen, sind seit einigen Tagen Restauratoren an der Arbeit. Mit ausgefeilten wissenschaftlichen Verfahren und mit Wurzelbürsten. Ein Besuch auf der luftigsten Baustelle Igels.

Igel. Irgendetwas wackelt immer. Das ist einer der ersten Eindrücke, die der Besucher des Baugerüsts an der Igeler Säule erfährt. Besonders deutlich wird das ganz oben auf der Stahlkonstruktion. Denn entweder ist es die Adlerfigur an der Spitze der 23 Meter hohen Igeler Säule, die sich bewegt. Oder eben das Gerüst, das das steinerne Unesco-Weltkulturerbe seit einigen Monaten umgibt.Gerüst permanent in Bewegung


Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens wird deutlich, dass es die Stahlkonstruktion ist, die sich da unter den Füßen von Katja Harmeling zentimeterweise hin- und herbewegt. Für die Diplom-Restauratorin ist dieser schwankende Arbeitsplatz Normalität. Seit vergangener Woche kümmert sie sich um das steinerne Monument, das sich eine wohlhabende Tuchhändlerfamilie vor rund 1700 Jahren aufstellen ließ.
Im Oktober oder November soll die Sanierung des Monuments abgeschlossen sein. Bis dahin müssen 330 Quadratmeter Oberfläche gesäubert werden. Das geht natürlich nicht in einem Aufwasch. Denn bei nahezu jedem fingernagelgroßen Stück muss entschieden werden, was damit passiert. Kann der Dampfstrahler eingesetzt werden oder kommt nur die Wurzelbürste zum Einsatz, wird die Oberfläche mit einem speziellen Chemiecocktail behandelt oder ein Stück abgelöster Stein wieder befestigt?
Bis auch der letzte Quadratzentimeter begutachtet und behandelt sein wird, werden noch einige Wochen ins Land gehen, die ihren Preis haben. Rund 175 000 Euro lässt sich das Land die Sanierung des Denkmals kosten. Wer nun denkt, dass nach dem Abbau des Gerüsts die aus dem Stein gehauenen Figuren wie neu aussehen, der irrt sich. Diplom-Restaurator Thomas Lehmkuhl: "Es geht nicht darum, fehlende Teile zu ergänzen. Es geht darum, die Substanz des Bauwerks zu erhalten."
Laut Restaurator Lehmkuhl wäre es übrigens möglich, Teile relativ originalgetreu zu ergänzen. Denn im Innenhof des Landesmuseums steht eine Kopie der Igeler Säule. Diese besteht aus einer Steinkonstruktion, an die Abgüsse der Originalsäule angebracht wurden. Die zweite Säule ist inzwischen mehr als 100 Jahre alt und zeigt Details, die am Original längst von Wind, Wetter und durch Abgase zerstört worden sind. Auch die Nachbildung ist ein Sanierungsfall, sagt Thomas Thielen vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung.
Wie teuer es wird, das umsturzgefährdete Bauwerk im Innenhof des Trierer Museums zu sanieren, kann er nicht sagen. "Ich bin mir sicher, dass das viel teurer wird als das, was wir hier investieren." Wobei die 175 000 Euro nicht die gesamte Summe ausmachen, die in Igel ausgegeben werden muss. Denn auch das Umfeld der Igeler Säule soll verändert werden. Was im Detail geschehen wird, kann Michael Brettner noch nicht genau sagen. Die Terrassen sollen mit Informationstafeln bestückt werden, die oberhalb der Grabmonuments stehenden Bäume sollen beschnitten oder gar ganz entfernt werden. "Möglicherweise 2015", sagt Brettner. Im kommenden Jahr ist dann auch möglicherweise klar, wie es mit dem Gelände am Fuß des zentimeterweise schwankenden Gerüsts weitergeht, das seit Monaten die Sicht auf die Säule versperrt. Brettner: "Wir sind da in guten Gesprächen mit der Ortsgemeinde als Eigentümerin der Flächen."