IHRE MEINUNG

Zum Bericht "Schwelender Streit um 120 Sekunden" (TV vom 23. Oktober):

Ich (60) war mehr als 38 Jahre bei einer nordrhein-westfälischen Großstadt im feuerwehrtechnischen Dienst tätig. Die erste Priorität der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr - Feuerwehr - ist es, Menschenleben zu retten. Danach kommen die Tiere und Sachgüter. Die Medizin gibt vor, dass ein Mensch nach spätestens 17 Minuten aus einem Gefahrenbereich, hier Brandstelle, gerettet und einem Arzt zur Behandlung zugeführt werden muss. Nach dieser Zeit sind die Erfolgschancen für eine Gesundung gleich null! Aus dieser medizinischen Aussage resultieren auch die acht Minuten Hilfsleistungsfrist. Wie diese Zeit von einem Innenminister in Rheinland-Pfalz infrage gestellt werden kann, wenn es dann von ihm so bewilligt wurde, ist für mich unverständlich. Diese acht Minuten sind für die Sicherheit der Bürger unumstößlich. Das bedeutet aber auch, dass in acht Minuten zehn Einsatzkräfte vor Ort sein müssen. Bei einem Atemschutzeinsatz muss auch ein spezieller Rettungstrupp an der Einsatzstelle zur Verfügung stehen. Die Aussage von Dezernent Thomas Egger kann ich nicht kommentieren, weil ich sie, auch als Fachmann, nicht verstanden habe. Dass die Feuerwehrkollegen anonym bleiben wollen, ist für mich verständlich. Dass das so sein muss, ist mehr als traurig und verwerflich. Warum kann man in einem Rechtsstaat nicht auch öffentlich mit Namensnennung und, ohne Repressalien zu befürchten, seine Meinung äußern? Feuerwehr und Polizei kosten nun einmal Geld. Damit wird die Sicherheit der Bürger garantiert. Wer dieses nicht möchte, sollte es dem Bürger auch offen sagen und nicht ein Wort- und Zahlenspiel veranstalten. Michael Böcker, Oberhausen