IHRE MEinung

Zum Artikel "Riol strebt Namenszusatz "am See" an" (TV vom 8. Februar):

Riol, das ist ein in Deutschland einmalig existierender Ortsname mit fast zweitausend Jahren Geschichte. Der Zusatz am See hingegen reißt im 21. Jahrhundert niemanden mehr vom Hocker. Eine Namensänderung bedeutet jedoch weit mehr als einfache Effekthascherei: Es ist eine Verschiebung von Wertigkeiten. Riol am See verlagert das Wesentliche, nämlich das Dorf(leben) hin zum See(leben), an dessen Ufer das Dorf Riol nur noch angrenzt. Es spricht sicher nur weniges gegen eine temporäre Fokussierung der Gemeindetätigkeiten auf das Seeprojekt, will man die Chancen nutzen. Dies darf aber keine permanente Monopolisierung werden. Genau das würde aber geschehen, sollte der Zusatz erfolgen - zumindest, wenn man konsequent ist. Aus einem vielfältig traditionsreichen Weinort würde ein Seeort, der sich letztlich nur noch dem Tourismus um den See herum verschreibt. Nimmt man jemandes Namen an, stellt man sich hinter denjenigen oder dasjenige, für das der Name einsteht. Dabei hat Riol so wie es ist definitiv mehr zu bieten: Ein gesundes Vereinsleben, mittelständische Wirtschaft, prämierte Weine - Riol hat Zukunft. Will man mit dem Ortsnamen weiterhin mehr verbinden als ein x-beliebiges Ausflugsziel am See, darf der Zusatz nicht erfolgen. Andernfalls geschieht genau das, was einem Dorf, das Zukunft hat, niemals widerfahren sollte: Alles auf eine Karte zu setzen und diejenigen, die es dorthin gebracht haben, nicht mehr zu würdigen und letztlich zu verlieren. In jedem Fall kann eine derartige Entscheidung nur basisdemokratisch getroffen werden. Sollte dies zugunsten des Zusatzes erfolgen, scheint mir der Namenszusatz am See jedoch halbherzig. Dann wäre ein klarer Schlussstrich unter mein Riol zu setzen und als konsequente Schlussfolgerung bliebe für mich nur der Name, den das Seeprojekt bereits vorgibt: TRiolago. Martin Flesch, Riol

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