IHRE MEINUNG
Zum Bericht "Die Schau der toten Körper" (TV vom 25. Oktober) erhielten wir diese Zuschriften von Lesern:
Ich finde Ausstellungen dieser Art klasse und lehrreich. Ich hatte im Rahmen meiner Ausbildung zum Physiotherapeuten die Möglichkeit, an Verstorbenen anatomische Strukturen zu sehen (auch zu tasten) und war begeistert. Man bekommt eine viel bessere Vorstellung von unserem fantastischen Körper als aus Lehrbüchern. Orthopäden und Chirurgen könnten ohne vorheriges Präparieren und Üben am echten Menschen wahrscheinlich weniger gut operieren und eventuell mehr Fehler machen oder weniger Leben retten. Aber auch für den Otto-Normalverbraucher finde ich es nicht verkehrt, ihm die Möglichkeit zu geben, mehr über unseren Organismus zu erfahren. Vielleicht ist es auch pädagogisch wertvoll und beeindruckender, zum Beispiel mal eine echte pechschwarze Raucherlunge zu sehen, als nur Bilder auf den Zigarettenschachteln. Wenn die Verstorbenen zu Lebzeiten ohne Zwang von außen der Ausstellung ihres eigenen Körpers zustimmen, kann ich beim besten Willen auch keine Verletzung der Menschenwürde erkennen. Daniel Weinand, Hermeskeil Nichts ist dem Menschen fremd. Die Ausstellung Körperwelten haben wir mal besucht in Köln. Es war überhaupt nicht gruselig oder abstoßend, sondern im Gegenteil sehr interessant und einmalig. Die Ausstellung in Trier können wir leider nicht besuchen. Wer es nicht ertragen kann, geht nicht hin. Die Kirche muss sich da nicht einmischen. Die ägyptischen Mumien sind doch auch eine Besonderheit. Wilma Heefer, Maring-Noviand Der Ausstellung "Echte Körper" stehe ich total ablehnend gegenüber. Der Anblick der menschlichen Körperteile (schon die Auswahl im TV), die nach dem Tod mit Hilfe der Plastination haltbar gemacht wurden, erregen in mir Abscheu, ja Ekel. Der Betrachter wird zum Voyeurismus geführt, indem er Einblick nehmen "muss" in die intimsten Körperhaltungen, -stellungen und Gesichter. Die Intimsphäre, die jedem Menschen - auch dem toten - zuzugestehen ist, wird geradezu gewalttätig durchbrochen. Der Mensch, der einmal in einem dieser Körper gelebt hat, kann sich gegen die visuelle Leichenfledderei nicht wehren - er musste schon die reale durch die Plastination hinnehmen. Das Argument, dass anatomisches Wissen vermittelt werden soll, ist ein Deckmantel für das ausufernde absurde Verlangen, alles, was machbar ist, auch zu machen - und dabei das wirtschaftliche Interesse daran nicht zu vernachlässigen. Die Würde des Menschen bleibt auf der Strecke. Für das Studium des menschlichen Körpers stehen andere wissenschaftliche, aber nicht voyeuristische Möglichkeiten zur Verfügung. Heidi Buchholz, Trier