IHRE MEINUNG

Zum Bericht "Die autofreie Zukunft der Römerbrücke" (TV vom 21. Mai) und zum Leserbrief-Block "Autofreie Römerbrücke? Man kann nur noch den Kopf schütteln über diese Pläne" (TV vom 29. Mai):

Schon in den 1960er Jahren verfolgte der damalige Baudezernent Alfons Kraft das Ziel einer autofreien Römerbrücke mit einer "zweiten Römerbrücke" in Fortsetzung der Südallee, die nach Überquerung des Westbahnhofs bis zur Eurener Straße reichen sollte. Infolge der kommunalen Gebietsreform von 1969, die der Stadt mit Eingemeindungen neue Entwicklungsflächen bescherte, wanderte dieses Projekt als "Südbrücke" moselaufwärts bis St. Matthias zur leistungsfähigen Anbindung der künftigen Gewerbeflächen auf der Eurener Flur. Seither war eine autofreie Römerbrücke wie die Regensburger Donaubrücke oder die Würzburger Mainbrücke immer ein Planungsziel: als Schlüsselprojekt des Programms "Stadt am Fluss" des früheren Oberbürgermeisters Klaus Jensen und zuletzt als Gegenstand des Architekturwettbewerbs von 2012. Im vom Stadtrat beschlossenen Mobilitätskonzept (MoKo) 2025 liegt der Anteil des Binnenverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen der Stadt bei 59 Prozent, des Ziel- und Quellverkehrs bei 32 Prozent und des Durchgangsverkehrs bei 9 Prozent. Diese Anteile entsprechen auch denen des Verkehrsgutachtens Schaechterle aus den 1990er Jahren: etwa 60/30/10! Es ist das Ziel des MoKo, den Anteil des Autoverkehrs von 55 auf 45 Prozent zu reduzieren und dafür den des Fuß- und Fahrradverkehrs von 29 auf 35 Prozent zu erhöhen. Die Zielsetzung einer autofreien Römerbrücke entspricht dem Ziel des MoKo und ist daher auch alleine schon deshalb vertretbar, weil der Autoverkehr über die Römerbrücke zu gut zwei Dritteln nur Kurzstreckenverkehr zwischen Trier-West, Pallien und Euren einerseits und der Altstadt, Gartenfeld, Trier-Süd und Trier-Nord andererseits ist, der durch Irminensteg und Barbarasteg (beide Planungsgegenstände von MoKo und Flächennutzungsplan) durch Fußgänger- und Fahrradverkehr gut substituierbar ist. Insofern war es konsequent, dass die Stadtratsmehrheit als Langfristziel eine autofreie Römerbrücke beschlossen hat. Im Flächennutzungsplan-Entwurf ist die Brücke nicht mehr als Teil des Hauptverkehrsstraßennetzes ausgewiesen. Raimund Scholzen, Trier