IHRE MEINUNG

Zur Berichterstattung über den weißen Damhirsch im Konzer Tälchen:

Es ist schön, dass sich viele Menschen dafür aussprechen, das weiße Tier am Leben zu lassen, aber was ist mit den anderen? Dieses traurige Phänomen erleben wir ständig in unserem Tierheim. Da gab es im Sommer Hund Fluffy, der aus einer Wassertonne gerettet wurde. Oder Schäferhund Mitch, der tagelang in einer Wohnung neben einer Katze ausgeharrt und sich durch die Tür gebissen hat. Oder die Hunde aus Rumänien, die ein trauriges Schicksal hatten, das an die Öffentlichkeit kam. Für diese Tiere gab es massenweise Bewerber, warum wohl? Ich habe sehr oft den Eindruck, dass es schick ist und in gewisser Weise einem Statussymbol gleicht, ein solches Tier zu retten oder aufzunehmen, weil sich ja deren Geschichte spektakulär im Bekanntenkreis "verkaufen" lässt. Wären wir nicht ein seriöser Tierschutzverein, wäre es manchmal sinnvoll, jedem Tier eine noch traurigere Story als die, die es schon hat (sonst wäre es ja nicht bei uns), anzudichten. Dann würden sie unter der Prämisse der guten Tat wohl schnell vermittelt werden. Aber wo bleiben Herz und Tiefgang? Wo bleibt die Verantwortung, lebenslang für ein Wesen zu sorgen, das man sich vertraut gemacht hat? Denn wenn die traurige Geschichte die Runde gemacht hat und das Tier nicht mehr interessant, sondern lästig ist, könnte es schnell wieder bei uns landen. Der weiße Hirsch hat vielleicht Glück, dass er weiß ist, weit weg von der Fürsorge der Menschen - im Gegensatz zu seinen braunen Artgenossen ... Sonja Müller, Trier, Vorsitzende Tierschutzverein Trier und Umgebung