IHRE MEINUNG

Zur Berichterstattung über die Erhöhung der Kita- und Hortbeiträge in Trier:

Wir haben drei Kinder. Zwei sind derzeit beitragsfrei, und für das Jüngste zahlen wir den Höchstsatz von 546 Euro im Monat (2013: 165 Euro). Nach dem Sommer kommt der Große mangels Alternativen in den Hort. Dann kommen noch mal 382 Euro dazu (2013: 125 Euro). Statt 290 Euro nach früherer Berechnung zahlen wir dann also 928 Euro (ohne Essen). Dass eine Erhöhung sinnvoll und notwendig war und dass das bereinigte Nettoeinkommen als Berechnungsgrundlage gilt, dem stimmen wir vollkommen zu. Aber wo bleibt die Verhältnismäßigkeit? Durch die verschiedenen Anpassungen zahlen wir 220 Prozent mehr! Ich habe wieder angefangen zu arbeiten und verdiene weniger, als wir für die Kinderbetreuung ausgeben, da mein Mann zu den Besserverdienenden zählt. Hätte ich gewusst, was auf uns zu kommt, hätte ich sicherlich gewartet, bis das Kleinste zwei Jahre geworden ist. Die Kosten für ein Kind sind für die meisten noch zu stemmen. Aber ab zwei Kindern wird es richtig teuer, da der Geschwisterrabatt fast vollständig weggefallen ist. Diese drastische Erhöhung wird auf dem Rücken der Frauen ausgetragen. Frauen steigen wieder später in den Beruf ein und werden langfristig maximal halbtags arbeiten können. Verlorene Steuereinnahmen und Rentenausfälle sind die Folge. Ziele der Bundes- und Landesregierung sind hingegen Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Unsere gut ausgebildeten und dringend benötigten Fachkräfte sitzen zu Hause und hüten die Kinder. So schafft man Platz in den Kitas. Familien mit mehreren Kindern kalkulieren knapp. Eine dermaßen drastische Erhöhung der Beiträge kann die Planung über Jahre durcheinanderbringen. Kredite müssen abbezahlt, Mieten gezahlt werden, obwohl die Kinderbetreuung auf einmal knapp 20 Prozent des Nettoeinkommens ausmacht. Bei uns in der Einrichtung kommen jetzt die Hortabmeldungen. Schulkinder werden durch Zweijährige ersetzt. Das Konzept leidet. Die Kinder werden aus ihrem sicheren Umfeld gerissen, und die Stadt hat trotzdem nicht mehr Geld. Edith Hinterwimmer, Trier