IHRE MEINUNG

Zum Bericht "Kleines Volkstheater triumphiert an der Porta" und Kommentar "Ein Jedermann für Trier" von Roland Morgen (TV, 27./28. Juli):

In Trier gibt es mehrere Laienschauspielgruppen unterschiedlicher Ausrichtung mit teils sehr respektablen Inszenierungen. Solche Gruppen haben neben professionellem Sprechtheater ihre volle Berechtigung und sind für das kulturelle Leben einer Stadt und die unterschiedlichen Ansprüche ihrer Bürgergruppen unentbehrlich. Einzuschließen ist das Mundarttheater. Wenn aber Roland Morgen in seinem Kommentar eine Volkstheater-Vorstellung in Mundart den Trierer Antikenfestspielen und dem Salzburger Jedermann gleichsetzt, ist dies nicht nur vermessen, sondern Ausdruck höchst provinziellen Denkens. Für wen außer gebürtigen und/oder eingefleischten Bewohnern aus Stadt und Umland und Lokalpatrioten wird denn hier gespielt? Anders bei den Antikenfestspielen: Deren Rienzi brachte vor zehn Jahren Wagnerianer aus ganz Deutschland, deren Aufführungen brachten Opernfreunde auch aus dem Ausland in die Stadt. Sie gaben Trier etwas Flair von dem, was es gerne wäre: eine Großstadt. Wenn Herr Morgen behauptet, bei diesen großartigen Festspielen hätte es nur selten etwas zu lachen gegeben, und darüber hinaus auf die Subventionierung des Theaters durch Steuergeld anspielt, stellt sich nicht nur die Frage, ob er jemals eine Vorstellung der Festspiele oder im Theater besucht hat. Er fällt all denen in den Rücken, die sich mit viel Energie für den Erhalt des Theaters einsetzen und hält Anhänger des selbigen und der Antikenfestspiele offensichtlich für humorlos. Damit betreibt er niveaulosen Populismus. Die Vorstellungskraft, dass auch auf anderer Ebene herzlich gelacht werden kann und dass es auch Trierer gibt, die im Gegensatz zu dem Namen eines einheimischen Karnevalsvereins nicht "onner ons" bleiben möchten, scheint Herrn Morgen zu fehlen. Das Kleine Volkstheater, die Antikenfestspiele, mehr kulturelle Vielfalt - "das wär\' doch was für Trier". Marianne Binzen, Trier