IHRE MEINUNG
Zur Berichterstattung über die geplante Wahl eines Beirats für Migration und Integration im Landkreis Trier-Saarburg (TV vom 23 . Juli):
Die Meinung von Harald Jansen, ein Beirat für Migration und Integration sei "nice to have", aber eigentlich nicht notwendig, kann ich nicht nachvollziehen. Der Leitgedanke bei der Schaffung der Beiräte war, die Interessen der ausländischen Mitbürger in der kommunalen Politik zu vertreten. Eine politische Teilhabe gibt es in Deutschland nur für Bürger mit einem deutschen Pass, in eingeschränktem Umfang vielleicht noch für EU-Bürger. Der Migrationsbeirat dient dazu, auch diesen Mitbürgern die politische Teilhabe zu ermöglichen. Wo bitte steht geschrieben, dass sich der Migrationsbeirat mit der Organisation von Festchen zu befassen hat? Er hat schließlich auch ein Anhörungsrecht im Kreistag. Er kann Vorschläge für die Arbeit der Ausschüsse machen und sollte sich auch sonst einbringen. Ich empfinde es als Herabwürdigung der berechtigten Interessen der Mitbürger mit Migrationshintergrund, wenn man so etwas schreibt. Private Initiativen zur Integration für das Zusammenwachsen der Bürger sind wichtig, die politische Teilhabe aller ist essenziell. Dass ein Migrationsbeirat heute noch wichtig ist, zeigt ein Blick in den Kreistag: Kreistagsabgeordnete mit Migrationshintergrund sind in Trier-Saarburg Mangelware (lediglich ein Kreistagsmitglied). Legt man die Zahlen (fast acht Prozent Bürger mit Migrationshintergrund in Trier-Saarburg) zugrunde, dann müssten wenigstens vier Kreistagsmitglieder einen Migrationshintergrund aufweisen. Welchen Stellenwert das Thema im Kreistag hat, zeigt auch der Internetauftritt des Kreises. Dort wird die Integrationsbeauftragte mit keinem Wort erwähnt. Wie sollen denn ausländische Mitbürger ihre Anliegen an die Kreisverwaltung herantragen, wenn dort die zuständige Beauftragte noch nicht mal eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer, geschweige denn eine Sprechstunde hat? Der Kreis Trier-Saarburg braucht dringend einen Beirat, um eine bessere Integration von Migranten durch eine politische Vertretung zu gewährleisten. Ewald Winter, Wasserliesch