Ihre meinung

Zur Sitzung des VG-Rats Ruwer am 24. Juni ("Keine Schließungen: Alle Schulen bleiben in ihren Dörfern", TV vom 26. Juni) folgende Zuschrift:

29 Jahre habe ich in drei Bundesländern in kommunalen Räten mitgearbeitet und viel erlebt. Hier war ich erstmals als Zuhörer dabei. Tage zuvor gab es eine Bürgerinformation zur Schließung der Schule Mertesdorf/Kasel. Denn nach einer interfraktionellen Empfehlung und dem Beschlußvorschlag des Haupt- und Finanzausschusses drohte sie plötzlich. Dies bot reichlich Anlaß zur Empörung! Durchdacht schien mir die Schließungsempfehlung nicht. Welche neuen Erkenntnisse führten zur Kehrtwende? Der auch jetzt als Begründung herangezogene demografische Wandel liefert sie kurzfristig gewiss nicht. Zudem sind Aussagen zu seinen Auswirkungen auf kleine Orte in der Nähe einer boomenden Großstadt nicht glaubwürdiger als das Lesen im Kaffeesatz. Bürgermeister Busch bekam gleich zu Beginn zu spüren, dass er als Ausführungsorgan nicht vor zornigen Reaktionen der Bürger geschützt ist. Ich war daher auf die Aussagen der Ratsfraktionen gespannt. Verantwortbare kommunalpolitische Arbeit muss manchmal etwas beschließen, das keinen Beifall findet. Das ist - ich weiß es - nicht einfach und verlangt Rückgrat. Jedermanns Liebling kann ein Kommunalpolitiker nicht sein! Aber genau dies wollen alle im VG-Rat sein! Der SPD-Vorsitzende begann den Reigen mit dem Fraktionsvorschlag, Farschweiler und Mertesdorf/Kasel zu erhalten, und ergänzte ihn nach Einwurf unabgestimmt mit seiner Fraktion auch auf Schöndorf. Er wurde Liebling der Zuhörer und bekam donnernden Applaus. Der FWG-Fraktionsvorsitzende wollte ihn auch. Für seine Fraktion war nun alles so zu belassen, wie es zur Zeit ist, das beste Konzept. Sein Beifall als Zweiter war aber geringer. Schwer tat sich die CDU-Fraktion. Sie brachte einen Verfahrensvorschlag bis Mitte September ein - und musste sich selber beklatschen. Mir blieb ihre Haltung unverständlich. Warum dieser Verfahrensvorschlag nach ihrer Zustimmung zu den Schließungsempfehlungen im Vorfeld? Den Glanzpunkt aber setzte der FWG-Fraktionsvorsitzende. Nach ihm war die interfraktionelle Empfehlung das Ergebnis eines "Kaffeekränzchens", dem aber der Haupt- und Finanzausschuss folgte. Gab es dort etwa auch Kuchen und kräftigen "Pharisäer" dazu? Natürlich bin ich sehr einverstanden, dass die Grundschule von Mertesdorf/Kasel erhalten bleibt, aber ein substanzloses Schulkonzept ist nicht beständig. Mein Erfahrungsschatz an absurder Ratsarbeit ist aber jetzt reicher als zuvor. Manfred J. Matschke, Mertesdorf

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