Illuminale Trier 2019: Lichtkünstler Batz und Stelzentheater Circolo verzaubern 20.000 Besucher

Kostenpflichtiger Inhalt: Veranstaltung : Illuminale Trier 2019: Lichtkünstler Batz und Stelzentheater Circolo verzaubern 20.000 Besucher

Lichterfest trifft City Campus: Tausende erleben rund um den Dom spektakuläre Projektionskunst und viele leise Aha-Momente.

Freitagabend, der Trierer Dom ist zu sehen, wie er noch nie zu sehen war: Die Westfassade ist zur rund 3000 Quadratmeter großen Leinwand geworden, überzogen von Video-Sequenzen, die elf Beamer auf die Unesco-Welterbestätte projizieren: Graffiti, Mosaike, Skulpturen aus dem Trierer und Kölner Dom, alte Weltkarten, Flammen, Fotos von Trier – verwüstet, von früher, von oben bis hin zu Selfies von 24 Trierer Chorsängern.

Gegen 20.30 Uhr ist der Himmel dunkel, der Domfreihof proppenvoll. Tausende lassen auf sich wirken, worüber der Hamburger Künstler Michael Batz ein Jahr lang nachgedacht hat: Wie kann das Thema des rheinland-pfälzischen Kultursommers „heimat/en“ auf die Unseco-Welterbestätte projiziert werden?

Zu den Bildern, die auf den Dom projiziert wurden, gehörten auch Porträts von Trierer Chorsängern. Foto: Hans Krämer

Die Antwort: Soul-Map, eine Landkarte der Seele. Eine der atemberaubenden Sequenzen: Nackte Füße stehen auf einem Foto, das Trier im 19. Jahrhundert zeigt, die Ansicht dreht, die Füße bewegen und der Untergrund wandelt sich: ein Gang durch die Weltgeschichte.

Musik von Johnny Cash über Choräle bis hin zu Orgelmusik untermalen die Lichtinstallation. Am Ende sind Zitate und Gedanken in riesigen weißen Lettern auf dem Denkmal zu lesen. Etwa: Heimat ist – Orte, Arbeit, Wandel, Alltag, Essen, Familie, Lebensart, Sprache, Geschichte, Bildung, Gefühl.

Gustav und Gisela Geipel aus Tawern sind beeindruckt: „Super, die Farbexplosionen“, sagt er. „Sehr schön, die Sprüche über Heimat“, sagt sie. „Faszinierend!“, „Hammer!“ ist von anderen Zuschauern zu hören.

Auf dem Hauptmarkt gab’s Live-Musik. Foto: Hans Krämer

Nebenan, vor der Liebfrauenkirche, stehen Besucher schlange. „Schlimmer als beim Altstadtfest“, sagt eine junge Frau. Lichtkünstler Stefan Knor hat das Kircheninnere in faszinierendes Licht getaucht und Besucher eingeladen, herauszufinden, wie die eigene Heimat und der individuelle Himmel sich berühren – so heißt es in der Einladung zu dieser Entdeckungsreise. Dabei hilft die Himmelsleiter aus Stoff und Licht.

Neben dem mächtigen Dom und der Liebfrauenkirche sind es auch die leuchtenden Kreationen kleiner Künstler und Trierer Initiativen, wie Lampions, die an Bäumen hängen und für eine besondere Stimmung auf dem Domfreihof und am Bischof-Stein-Platz sorgen – oder die leuchtenden Nachtschwärmer des Trierer Stelzentheaters Circolo.

Faszinierend ist auch das, was Wissenschaftler auf den Trierer Höhen tagtäglich erforschen: Der Hauptmarkt steht im Zeichen des City Campus. Doktorand Benedikt Lorse und sein Team etwa sensibilisieren für das Thema Wasser. „Wenn alle Deutschen nur noch Leitungswasser trinken würden, könnte mehr für den Klimaschutz getan werden, als wenn man alle Inlandflüge verbieten würde“, sagt Lorse. Mineralwasser habe eine hohe CO2-Bilanz,  das Trierer Leitungswasser sei hervorragend.

Beim City-Campus der Hochschulen war eine nachgebaute mittelalterliche Steinschleuder zu sehen. Foto: Hans Krämer

Am Stand „Experimentelle Untersuchungen zur Herstellung von Bier im Altertum“ fragt Grundschülerin Cara die Wissenschaftler über Getreide aus. Ein paar Meter weiter fachsimpelt der gleichaltrige Noel mit Jesus Rodrigo-Comino von der Uni Trier über Lichtverschmutzung. Der Junge stillt seinen Wissensdurst. Außerdem sei die Veranstaltung für ihn eine große Chance, mal länger aufzubleiben.

Ganz gleich, weshalb die Besucher am Freitag- und Samstagabend in die Trierer Innenstadt kommen: Alle scheinen sehr zufrieden. Die Kritik an der Illuminale der Vorjahre – „zu abgehoben“ – dürfte besänftigt sein.

Eröffnet hatten City Campus trifft Illuminale der rheinland-pfälzische Kultur- und Wissenschaftsminister Konrad Wolf, Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der Präsident der Uni Trier, Michael Jäckel,  Hochschul-Präsidentin Dorit Schumann und Domvikar Hans Günther Ulrich. Norbert Käthler, Chef der Trierer Tourist- und Marketing GmbH (TTM), sagte am Sonntag: „Es war absolut überwältigend.“ Geschätzt 20 000 Besucher hätten die Veranstaltung besucht, die Resonanzen seien fantastisch. Die TTM war für Konzept und Organisation im Auftrag der Stadt Trier zuständig.

Übrigens: Die Soul-Map war ein Geschenk des Lichtkünstlers Michael Batz an die Stadt Trier, nur die Produktion (bright Studios visual design & media technology in Kooperation der Pro Music Veranstaltungstechnik) hat etwas gekostet.

Weitere Fotos gibt es unter
www.volksfreund.de

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