Im Bistum Trier werden immer mehr katholische Kirchen profaniert und neu genutzt

Kostenpflichtiger Inhalt: Katholische Kirche : Entweihte Gotteshäuser: Wenn aus Kirchengebäuden Wohnungen werden

Weniger Gottesdienstbesucher, Priestermangel, mehr Baumängel: Besonders in Trier ist die Entweihung von Kirchen bereits Realität.

Seit dem Jahr 2003 haben im Bistum Trier 40 Kirchen und Kapellen ihre Funktion als geweihte Gotteshäuser verloren. Hinzu kommen weitere Kapellen in privaten Einrichtungen der Altenpflege oder in Klöstern, die in diesen 16 Jahren profaniert wurden. Diese Zahlen nennt das Bistum.

Angesichts der 1463 noch existierenden Gotteshäuser erscheint das gering. Doch der stetige Rückgang der Katholiken und Gottesdienstbesucher, die abnehmende Priesterzahl und die vermutlich nur vorläufig gestoppte Bistumsreform werden in den kommenden Jahren zu mehr Diskussionen führen: Was soll mit wenig genutzten oder sanierungsbedürftigen Kirchenbauten geschehen?

Davon ist auch der Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards überzeugt: „Wir stehen in dieser Entwicklung erst am Anfang. Und wenn sich kein Umdenken einstellt, ist für die kommenden Jahre ein starker Anstieg der Zahlen absehbar.“ Diese Worte zitiert auch der ehemalige Diözesanarchitekt Alois Peitz in einem vielbeachteten Vortrag. Er plädiert dafür, Kirchenräume nicht abzureißen oder zu verkaufen, sondern sie zu behalten und zu Räumen der sozialen Begegnung, Mischnutzungen und Sinneserfahrungen zu machen.

„Kirchen in Not, ungenutzt, umgenutzt?“ war auch das Thema einer Tagung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz in der Kirche Heiligkreuz in Trier. Denkmalschützer, Architekten und Projektentwickler diskutierten dabei die Möglichkeiten einer angemessenen Nachnutzung von Kirchengebäuden.

Aber welche Kirchengebäude stehen in den kommenden Jahren im Bistum Trier zur Profanierung an? Zu dieser Frage unserer Zeitung gibt eine Sprecherin des Bistums keine konkrete Antwort: „Das sind laufende Prozesse, über die erst entschieden werden muss.“ Dass dabei die erheblichen Geldsummen eine wesentliche Rolle spielen, die für die Sanierung der häufig nach dem Zweiten Weltkrieg gebauten Sakralgebäude notwendig sind, zeigt der Blick auf die beiden zurückliegenden Jahre.

Das Bistum zahlte nach eigenen Angaben 12,3 Millionen (2018) und 16,5 Millionen Euro (2019) als Baukostenzuschüsse. Das entspricht etwa 60 Prozent der Gesamtkosten, die in dieser Zeit für Kirchen und Kapellen investiert worden sind. Die restlichen 19 Millionen Euro mussten die Kirchengemeinden selbst aufbringen. Besonders stark betroffen von Profanierungen ist schon jetzt die Stadt Trier mit ihren 37 Kirchen. Seit Monaten laufen die Verkaufsverhandlungen für die neo-romanische ehemalige Kirche St. Paulus. In zwei Stadtteilen sollen außerdem modernere Kirchengebäude für Wohnzwecke genutzt werden.