Im Drogenrausch durchs Landratsamt

Im Drogenrausch durchs Landratsamt

Erst verbiestert, dann locker-flockig: Der Verzehr von Hasch-Keksen verwandelt langweilige Beamte in einen Haufen durchgeknallter Hippies - zumindest im Pfarrzentrum St. Valerius, wo der Theaterverein Feyen e. V. am Wochenende dreimal das Stück "Love and Peace im Landratsamt" aufführte.

Trier. Das Vorzimmer des Landrats ist eingerichtet, wie es sich gehört: eine Sitzgruppe, ein Regal mit Aktenordnern, an der Wand die Konterfeis des Landrats und des Bürgermeisters, ein Schreibtisch mit dazugehöriger Sekretärin in sittsamer weißer Bluse und altbackenem Rock. Auch der eintretende Wahlhelfer entspricht dem Klischee. Anzug, stylischer Schal, Aktentasche. Die Antipathie zwischen Sekretärin Stegner (Julia Ballmann) und Herrn Meisner (François Kwiatkowski) ist von der ersten Sekunde an spürbar.
Das Stück "Love and Peace im Landratsamt" von Andreas Wening ist natürlich klamaukig und schräg. Mit bissigen Sprüchen und gut gesetzten Pointen leisten sich die Darsteller einen Schlagabtausch, der den Zuschauern im vollbesetzten Saal des Pfarrzentrums in der Clara-Viebig-Straße die ersten Lacher entlockt. "Sie sind wie ein Luftballon: bunt, hohl und aufgeblasen", ätzt die Sekretärin. Wahlhelfer Meisner schlägt zurück: "Terrortippse!" Auch Frau Schnödesenf-Brustwickel (Anja Peters) ist giftig: "Es hat seine Berechtigung, dass immer nur Männer als Vogelscheuchen aufgestellt werden", findet die kühle Karrierefrau. Doch als Tamara Bloomberg (Andrée Marita Becker-Paulus), eine "vergeisterte Hippiegurke", auftritt, verändern sich diese verbiesterten Ansichten und plötzlich haben sich alle lieb. "Früher sind Sie mir auf den Keks gegangen, jetzt essen wir welche zusammen", säuselt der Wahlhelfer der Sekretärin zu.
Hasch ist im Spiel


Dass die Hippie-Kekse mit Hasch versetzt sind, verstehen auch oder gerade die Älteren im Publikum. Eine Dame raunt: "Solche Kekse hätte ich auch gern", und auch Marion Bartel lacht während dieses vergnüglichen Theaterabends mehrmals laut auf. Bis vor 15 Jahren hat die 44-Jährige selbst beim Theaterverein Feyen mitgespielt und ist aus Pölich hergekommen, um heute Abend ihre alte Truppe in einem neuen Stück wiederzusehen. Ihr Fazit: "So möchte man unterhalten werden."

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