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Im Fadenkreuz zwischen Heilauftrag und Ökonomie

Im Fadenkreuz zwischen Heilauftrag und Ökonomie

Arztpraxen werden zunehmend von ökonomischen Rahmenbedingungen bestimmt. Für viele niedergelassene Mediziner stellt sich daher die Frage nach dem Ethos ihres Berufs. Ob und wie es gelingen kann, wirtschaftlich in der Medizin vorzugehen und gleichzeitig das Selbstverständnis der Ärzteschaft zu behalten, war Thema einer Fortbildung.

Trier. (mehi) "Man hat den Eindruck, die Ärzteschaft ist in den vergangenen Jahren unter Beschuss geraten", sagte Dr. Harald Reusch aus Trier, Arzt für Allgemeinmedizin. Sie stehe im Fadenkreuz zwischen ärztlichem Heilauftrag und wirtschaftlichem Führen der Praxis. "Das ist ein Spagat, der kaum mehr zu leisten ist", betonte Reusch vor den Teilnehmern der Fortbildung "Der Arzt als Unternehmer? - Zur Ökonomisierung der Medizin" zur Ethik in der Medizin. Das medizinische Selbstverständnis sei zwar für den Patienten von Vorteil, unter ökonomischen Gesichtspunkten jedoch nicht strikt zu erfüllen.

Ärzte würden mit der Abrechnung nach dem Regelleistungsvolumen, das sagt, was eine Praxis höchstens verdienen dürfe, alleine gelassen und gewännen den Eindruck, dass sie umsonst arbeiten, sagte Reusch. "Ich halte den Wettbewerb für den Super-Gau: den größtmöglichen Unfug!" So würden Patienten aufgefordert, Zusatzleistungen in Anspruch zu nehmen. Eine Lösung aus dem Spannungsfeld Heilauftrag - Ökonomie habe er jedoch nicht.

Anders Professor Dominik Groß, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Aachen. "Es muss eine fundamentale Gesundheitsreform her!" forderte er. Die Frage sei: "Welches Gesundheitssystem können und wollen wir uns leisten zu welchem Preis, und wie können wir ethisch verantwortlich rationieren?" Denn eine transparente und gewissenhafte Rationierung wie Einschränkungen von Leistungen, die von den Kassen übernommen werden, sei unverzichtbar. Dabei sei es schwierig, gerechte Kriterien zu finden, die keinen Patienten diskriminieren.

"Das Dilemma ist: Wir sind gezwungen, menschliches Leben unter finanziellen Gesichtspunkten zu bewerten", kritisierte Groß. Er fordert eine offene Form der Diskussion. "Alle müssen mitreden können, auch Selbsthilfegruppen und Patientenvertreter." Dabei müsse zuerst überlegt werden was wichtig sei, bevor rationiert werde. Harald Reusch regte an, ethische Werte neu zu definieren und so das Schiff wieder auf Kurs zu steuern.