Im fremden Land benutzt und geschlagen

Im fremden Land benutzt und geschlagen

Von Gewalt, Menschenhandel und Prostitution berichten in dieser Woche Informationstafeln im Foyer des Rathauses. Im Fokus steht das Leid von Einwanderinnen, das auch die Beratungsstellen in Trier beschäftigt.

Trier. Sie wird eingesperrt, ein halbes Jahr lang. Weil sie zu hübsch ist. So hübsch, dass andere Männer sich für die junge Frau interessieren könnten. Also lässt ihr Mann sie nicht mehr aus der Wohnung. Bis er sich von ihr trennt - und sie auf der Straße steht. Mittlerweile hat die 21-jährige Kosovarin Hilfe gefunden. Sie lebt wieder in ihrem Geburtsland. Doch das Leid, das sie in Deutschland durch ihren Ehemann - ebenfalls ein Kosovare - erfahren hat, wird sie nie vergessen. "Unsere Mitarbeiter könnten stundenlang von solchen Schicksalen berichten", sagt Bernd Baumgarten, Geschäftsführer des Diakonischen Werks der Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach. Er erzählte die Geschichte der jungen Frau, die sich an die ökumenische Beratungsstelle für Flüchtlinge gewandt hatte. Um die Menschen auf die Probleme vieler Migrantinnen aufmerksam zu machen, ist nun im Rathaus die Wanderausstellung "Frauen in der Migration - Wege in die Gefahr" zu sehen. Informationstafeln berichten im Foyer über Migrationsgründe, Menschenhandel, Ausbeutung, Gewalt, Prostitution, arrangierte Ehen und Zwangsheirat. Zahlen belegen, wie häufig in Deutschland und weltweit Frauen, die ihr Heimatland verlassen, solches Leid erfahren. "Unsere Mitarbeiter der Beratungsstelle werden mit schrecklichen Schicksalen konfrontiert", berichtet Baumgarten. "Weibliche Migranten haben es besonders schwer." Bürgermeister Klaus Jensen machte während der Ausstellungseröffnung klar, dass nahezu jeder fünfte Deutsche einen Migrationshintergrund habe - so auch in Trier. "Wir müssen die Bevölkerung für deren Probleme sensibilisieren und den Migranten signalisieren: Ihr seid willkommen." Zudem lobte Jensen die vielen Bürger, die sich in Trier für Einwanderer engagieren. Die Stadt arbeite derzeit an einem Integrationskonzept, das nächstes Jahr vorgestellt werden soll, berichtete der Stadtchef. Die evangelische Pfarrerin Karin Sauter appellierte schließlich an die Zuhörer, mehr Solidarität mit den betroffenen Frauen zu zeigen. Die Ausstellung im Rathaus ist noch bis Freitag geöffnet. Sie wurde vom internationalen Netzwerk "Le Point" in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Migration der Evangelischen Kirchen und Diakonien im Rheinland, in Westfalen und in Lippe erarbeitet.