Im "Grinzing von Trier" Fuß gefasst

Im "Grinzing von Trier" Fuß gefasst

OLEWIG. Immer auf Achse für die Pfarrgemeinde St. Anna ist Luise Bloeck. Die geborene Westfälin hat nach 45 Jahren in Olewig feste Wurzeln geschlagen und ist im Gemeindeleben - vor allem bei den älteren weiblichen Stadtteilbewohnern - eine Ideen gebende Kraft.

"Es lebt sich gut in Olewig", sagt Luise Bloeck überzeugt. Mit ihrem Ehemann zog sie vor 45 Jahren ins Neubaugebiet "Auf die Hill" und zog drei Kinder auf. Eine Hürde für die junge Frau aus Münster in Westfalen: "Ich habe die Trierer Sprache zuerst nicht verstanden", erinnert sich die 66-Jährige. Auch heute noch hört man deutlich den verräterischen westfälischen Zungenschlag. Als ihr Mann vor 25 Jahren verstarb, meisterte Luise Bloeck die Erziehung alleine und trat in die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (Kfd) ein. Obwohl sie nach all den Jahren für die meisten immer noch eine Neu-Olewigerin war, wurde sie 1991 zur Vorsitzenden der zum Kfd-Diözesanverband gehörenden in der Pfarrgemeinde St. Anna aktiven Gruppe gewählt. Auch im Pfarrgemeinderat St. Anna wurde Luise Bloeck aktiv und organisierte zwölf Jahre lang als Vorsitzende das Pfarrfest und Sankt Martin.Ur-Olewiger Kochrezepte gesammelt

In der Katholischen Frauengemeinschaft treffen sich regelmäßig Ur-Olewigerinnen und neu zugezogene Frauen ab 40 Jahren zum monatlichen gemeinsamen Frühstück oder zur wöchentlichen Bastelgruppe. 60 an der Zahl sind die Frauen bei ihren großen Treffen. "Wir müssen umdenken", machte Luise Bloeck den Frauen klar, die erneut die Häkelnadeln zücken wollten, damit sie am Advents-Basar wie jedes Jahr Häkeldeckchen feilbieten können. "Mit der Zeit gehen" war das Motto der Vorsitzenden und statt ungeliebter Staubfänger gab es nun auf dem Adventsbasar Rumtopf, Marmelade, selbst gemachten Essig und Öl sowie modische Schals und Socken. Zurzeit organisiert Luise Bloeck, die bis vor zwei Jahren als Altenpflegerin arbeitete, die Musik und das Personal für die Bewirtung bei der traditionellen Weiberfastnacht der Frauengemeinschaft. Luise Bloeck war auch um Ideen nicht verlegen, um die Pfarrgemeinde voranzubringen. Der Pfarrsaal war mit der schlecht ausgestatteten Küche nicht zu vermieten, also sammelte Luise Bloeck Kochrezepte und Ur-Olewiger-Gerichte wie "Trierer Bömbchen" oder "Apfelfleisch" und gab ein Kochbuch heraus, dessen Erlös in eine neue Küche investiert wurde. Luise Bloeck wusste nicht nur sich in Olewig zu integrieren, sondern erleichtert als Vorsitzende der Frauengemeinschaft heute den neu in den Stadtteil ziehenden Frauen den Anschluss an die Gruppe. "Es macht mir Freude, für Frauen etwas auf die Beine zu stellen", sagt Luise Bloeck. "Ich wohne im Grinzing von Trier", antwortet Bloeck gerne und meinte das Winzerdorf Olewig. Sie bestätigt den dörflichen Charakter des Stadtteils, der sich für sie jedoch nicht darin abzeichnet, dass jeder jeden kennt, sondern in dem Gefühl des Angenommenseins in der Gemeinde: "Wenn ich mich nicht mit meinem Engagement von den Menschen angenommen fühlen würde, würde ich es auch nicht weiter machen." Wieder entdeckt hat Bloeck das Singen im Kirchenchor. Das genießt die Frau, die immer auf Trab ist: "Da kann ich mich einfach hinsetzen und den Anweisungen des Dirigenten folgen", sagt sie vergnügt.

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