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Im Haus Franziskus lebt die Hoffnung

Im Haus Franziskus lebt die Hoffnung

Ein Waffelessen mit kulturellem Sahnehäubchen setzte am Dienstag den Schlusspunkt unter 29 Jahre Begegnungsforum Haus Franziskus. Doch es gibt Hoffnung, dass die Einrichtung in ähnlicher Form doch weitergeführt werden kann.

Trier. Für die überwiegend älteren Gäste des schmucken Hauses in der Christophstraße war es ein Schock, als die Gemeinschaft der Waldbreitbacher Franziskanerinnen im Frühjahr die Schließung des Begegnungsforums Haus Franziskus ankündigten (TV vom 13. März). Der Orden begründete diese Entscheidung mit finanziellen und vor allem personellen Gründen. Gestern endete die 29-jährige Erfolgsgeschichte der ungewöhnlichen Einrichtung mit Frohsinn und Trauer. Fröhlich ging es bei dem "Waffelessen mit besonderem kulturellen Sahnehäubchen" zu, weil Clown Frolando alias Roland Grundheber seine Späße machte. Das große Bedauern über das Ende dieser ungezwungenen Möglichkeit der täglichen Begegnung war dennoch greifbar (siehe Extra). Aber es gibt zumindest die Hoffnung, dass es in einigen Wochen in einer ähnlichen Form weitergehen könnte. "Die Stadtverwaltung entwickelt ein Konzept, das einen Weiterbestand des Hauses als soziales und gemeinnütziges Begegnungszentrum in einem sozialen und kulturellen Angebot ermöglichen soll", verspricht Sozialdezernentin Angelika Birk. Sie favorisiert dabei das Engagement des Seniorenrats der Stadt Trier, dessen Büro aus den längst beengten Räumen im Turm Jerusalem in die Villa am Alleenring umziehen könnte. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Kosten für die Stadt nicht höher werden als die Summe, die bislang als Zuschuss für das Haus Franziskus und die Miete für das Seniorenbüro gezahlt wurde. Förderverein macht Dampf

Der Förderverein des Hauses hatte seit März alle Hebel in Bewegung gesetzt, um einen Fortbestand der Begegnungsstätte auch ohne Schwesternorden zu erreichen. Vorsitzende Karin Otto ist inzwischen zuversichtlich: "Wir werden das hinbekommen!" Sie hatte mit der Oberin des Franziskanerinnenordens ebenso Gespräche gesucht wie mit Politikern des Stadtrates - besonders Jutta Albrecht habe sich engagiert - und mit der Sozialdezernentin. Nun erhält die Stadt vom Orden sechs Monate Frist, um einen Käufer für das Gebäude zu finden. "Der Orden wird nicht automatisch an den Meistbietenden verkaufen", sagt Karin Otto, die ihre Hoffnungen besonders auf eine Stiftung setzt, mit der die Stadt derzeit verhandelt.Wenn eine Rettung zustande kommt, wird das Haus Franziskus dennoch in anderer Form fortbestehen. Denn die Obergeschosse würden vermutlich genutzt, um Einnahmen zu erzielen. Franz-Josef Euteneuer, bis gestern Leiter der Einrichtung, sieht darin kein Problem, solange das Grundkonzept erhalten bleibt: "Hier sollen sich Menschen begegnen, ohne nach Alter oder sozialer Herkunft stigmatisiert zu werden. In jeder Lebensphase sind wir jung und alt zugleich. Das gemeinsam auszuhalten, ist die Energie dieses Hauses." Der 59-Jährige wird nun zunächst freiberuflich unterwegs sein. Auch er ist optimistisch, dass die Arbeit im Sinne des Hauses Franziskus fortgeführt wird. "Es geht darum, die Haltung zu bewahren und sich dennoch zu wandeln und weiterzuentwickeln." Extra

Bei der letzten Veranstaltung im Haus Franziskus haben wir einige Gäste um ihre Meinung gebeten: Mia Scholler (74): "Ich bin schon seit dem Anfang dabei, seit 25 Jahren. Damals war ich die Jüngste, heute bin ich die Älteste." Frau Müller (42): "Wir fühlten uns sehr wohl und sind enttäuscht über die Schließung. Das ist schwer zu verstehen. Es ist eine schöne Begegnungsstätte, alles ist so ungezwungen." Regina Geier: "Für Senioren in Trier gibt es sonst ja fast nichts. Die Zukunft wird schwierig." Maria Müller: "Ich finde besonders die Freitagsstreitgespräche toll, denn ich werde gern selber aktiv. Leute, die sich nicht so dafür interessieren, bleiben eher fern." jusc