Im Namen einer besseren Zukunft
Wie eine Bürgerinitiative zu einer festen Institution für die kommunale Entwicklung werden kann, zeigt die Entstehung des Vereins Lokale Agenda 21 in Trier. Seine Mitglieder sind für beispielhafte Projekte und Ideen für nachhaltige Stadtentwicklung verantwortlich.
Trier. Wissenschaft beschränkt sich nicht auf das "Beobachten aus dem Elfenbeinturm". Das haben Soziologieprofessor Bernd Hamm und seine Studenten gezeigt. Aus einem Seminar im Wintersemester 1997/1998 ist eine Bürgerinitiative und später ein Verein entstanden, der emsig versucht, nachhaltiges Denken und Handeln in den Köpfen der Trierer Verwaltungsmitarbeiter und Bürger zu verankern: Die Initiative zukunftsfähiges Trier (IZT) stieß die Entstehung des Vereins Lokale Agenda 21 (LA 21) an. "Jetzt kann ich das in die Praxis umsetzen, was ich früher gelehrt habe", sagt Hamm, zurzeit stellvertretender Vorsitzender im Lenkungsausschuss des LA 21-Vereins.
Auschlaggebend für die Gründung der IZT war eine Konferenz der Vereinten Nationen, die 1992 in Rio de Janeiro stattfand. Die Bundesrepublik hat dort einen langfristigen kommunalen Aktionsplan verabschiedet. "Global denken - lokal handeln" ist das Motto, "Agenda 21" heißt das Aktionsprogramm (siehe Extra).
Daraufhin wurden in zahlreichen deutschen Städten Agenda 21-Vereine gegründet, die sich lokale nachhaltige Entwicklung auf die Fahnen geschrieben haben. Hamm beobachtete das, weil er sich mit Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit beschäftigte. Dabei fiel ihm auf, dass Trier hinterherhinkte.
"Ich habe das Seminar organisiert, weil in Trier nichts lief", blickt Hamm zurück. Er stieß auf engagierte Studenten, die bereit waren, sich über das Seminar hinaus für ihre Stadt einzusetzen.
Darunter waren laut Hamm und LA 21-Geschäftsführerin Charlotte Kleinwächter unter anderem Michael Schmidt-Salomon, Maike Schwarte, Sabine Frerichs und Ingo Neumann. So entstand die Initiative zukunftsfähiges Trier.
Ex-OB Helmut Schröer hat das Projekt unterstützt
Danach ging es schnell. Hamm erklärte am 4. Juni 1998 dem Stadtvorstand die notwendigen Schritte für einen Agenda-Prozess in Trier. Sowohl der von ihm verlangte Grundsatzbeschluss im Stadtrat zur LA 21 als auch die Einsetzung eines Vorbereitungskreises wurden schnell realisiert.
"Helmut Schröer hat das unterstützt, weil damals Wahlkampf war", meint Hamm. Der damalige Oberbürgermeister (CDU) habe der IZT geholfen, weil seine Gegenkandidatin Barbara Amelung (SPD) sich als große Befürworterin präsentiert habe.
Im Vorbereitungskreis wurde dann ein Konzept für den Start des Agenda-Prozesses in Trier entwickelt. Ein Lenkungsausschuss mit Vertretern der Parteien, Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, Kirchen, Hochschulen und Verwaltung war von da an die wichtigste Instanz. Zugleich wurde der Verein LA 21-Verein gegründet, der ebenfalls in diesem Ausschuss vertreten ist.
Kleinwächter denkt: "Der Vorteil an dem Verein ist, dass heute immer noch ein aktiver Prozess stattfindet."
Der Verein hat schon zahlreiche Projekte realisiert - zum Beispiel eine Energieagentur aufgebaut, die Stadtteilrahmenpläne angeregt und moderiert sowie mehrere Zukunftskonferenzen unter anderem zur Bürgerbeteiligung auf die Beine gestellt. Wichtig sei die Infrastruktur des Vereins mit der Geschäftsstelle in der Palaststraße 13. "Trier gilt in der bundesweiten Agenda-Szene als positives Beispiel", sagt Kleinwächter. Das beweist der Perspektivpreis des Internationalen Zukunftspreises, den die Trierer 2008 für das Zukunftsdiplom für Kinder erhalten haben.
Extra Agenda 21: Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro haben 179 Regierungschefs die Agenda 21 verabschiedet. Agenda (lateinisch) bedeutet: "Das, was zu tun ist". Die Agenda 21 ist ein Aktionsprogramm gegen die weltweiten Krisen für das 21. Jahrhundert. Auf knapp 300 Seiten sind Leitbilder zur Lösung der ökosozialen Weltprobleme formuliert. Handlungsfelder und Lösungsstrategien für eine weltweite nachhaltige Entwicklung sind dort aufgezeigt, die Umwelt, Kultur, Wirtschaft und den sozialen Bereich mit einbeziehen. (cmk)