Im tiefen Bachgrund

HOLZERATH/SCHÖNDORF. Das Enterbachtal zwischen dem Holzerather Badesee und Pluwigerhammer besticht durch seine Artenvielfalt und Abgeschiedenheit. Bei warmen Temperaturen ist ein Spaziergang besonders für Kinder ein Vergnügen.

Woher der eigentümliche Name des Naturschutzgebiets wohl kommt? "Es könnte was mit Entern zu tun haben”, glaubt Karsten Schittek vom Naturschutzbund Nabu. Piraten im Hochwald? Aber nein. In früheren Zeiten hätten die Holzerather den Grindelbach, der unterhalb des Rösterkopfs entspringt und später als Enterbach am Pluwigerhammer in die Ruwer fließt, als Transportmittel von Holzstämmen genutzt. Mit dem gestauten Bachwasser wurde das Holz geflößt und mit Stangen wieder flott gemacht, wenn es irgendwo klemmte - es wurde also geentert, meint der Diplom-Umweltwissenschaftler, der diese Informationen einem Buch über die Geschichte der Verbandsgemeinde Ruwer entnommen hat. Der Einstieg in das Enterbachtal ist unterhalb des Holzerather Badesees. Von dort geht es in ein tiefes, so genanntes Kerbtal. Merkmale des Naturschutzgebiets (NSG) Enterbachtal sind Lohwälder; das sind Eichenwälder, deren Rinde regelmäßig abgeschält wurde, um damit Leder zu gerben. Später folgen Erlenwälder, die den Wanderer und murmelnden Bach begleiten. Wer in Holzerath den rund zwei Kilometer langen Weg beginnt, sieht zunächst Feuchtwiesen, auf denen Binsen, Seggen und sogar wilde Narzissen und Orchideen einen Standort haben. Seit sieben Jahren ist das Enterbachtal auf einer Fläche von 149 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das ungedüngte Magergrünland ermöglicht Artenvielfalt. Auch in der Tierwelt tummelt sich einiges am Enterbachtal: "Köcher-, Stein- und Eintagsfliegen gibt es, auch Salamander, das Braunkehlchen, die Wasseramsel und die Grasmücke”, sagt Schittek. Im tiefen Tal dominieren viele Quellen, die aus dem Hang austreten. Für das Naturschutzgebiet Enterbachtal gilt das Gleiche wie für andere schützenswerte Areale. "Wenn es nicht gepflegt wird, wird es zuwachsen und Pflanzen, die gerade auf die Offenhaltung der Landschaft angewiesen sind, werden verschwinden”, fürchtet Schittek und deutet auf schon stark verbuschte Bereiche. Allerdings sei das Enterbachtal in das Gewässerprojekt Ruwer eingebunden, das die Erhaltung, Sicherung und Entwicklung auch des Enterbachtals fördere. Festes Schuhwerk und Karte sind für Besucher des Enterbachtals empfehlenswert. Der Weg von Holzerath führt etwa zwei Kilometer weit bis unterhalb von Schöndorf. In Schöndorf ist das "Entertal" in Höhe der Kirche ausgeschildert.