Im Trierer Kleingartenverein Tempelbezirk kommen viele Kulturen zusammen

Im Trierer Kleingartenverein Tempelbezirk kommen viele Kulturen zusammen

Der Kleingartenverein Tempelbezirk setzt auf den Austausch zwischen Jung und Alt sowie Kulturen aus aller Herren Länder. Was Vorteile für alle bietet, denn die Immigranten wissen Erstaunliches über den Gartenbau.

Afrikanische Trommler heizen mit ihren Rhythmen in der klassisch-deutschen Gartenzeile ein. Passt wunderbar zusammen, denn beim Kleingartenverein Tempelbezirk läuft so einiges anders.
Mit spießbürgerlichen Garten-Klischees gibt man sich hier nicht zufrieden. Offen sein für den Kontakt mit Menschen aus der Nachbarschaft und für den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen der Gartenbesitzer - diese Leitlinien hat sich der vor rund einem Jahr gewählte Vorstand auf die Fahnen geschrieben. Was das konkret bedeuten kann, zeigt das Sommerfest.

Da sitzt der afrikanische Holzbildhauer Papé Sidinkoma auf der Wiese neben dem Schwenkgrill und schnitzt in Windeseile aus einem Stück Stamm eine Frauenfigur. Wenig später schnappen er und seine Freunde aus Guinea sich ihre Trommeln und ziehen zur überdachten Terrasse vor dem Vereinsheim. Hier ist bereits eine ganze Gruppe Kleingärtner versammelt und genießt Pils am Bierstand oder Wein auf den Sitzbänken - urdeutsche Gemütlichkeit. Und dann legt eine gemischte afrikanisch-deutsche Combo mit dem Trommeln los. Das altersmäßig bunt gewürfelte Publikum zeigt sich rundweg begeistert.

Nur ein Beispiel, was im Tempelbezirk anders läuft als erwartet. Verschiedene Nationen sind in Kleingärtenanlagen überall in Deutschland längst Realität. Gerade Einwandererfamilien haben über die Jahre hinweg gerne die Chance genutzt, ein kleines Fleckchen im Grünen zu erwerben.

Polen, Russland, Thailand und die Türkei sind beispielsweise nur einige der Herkunftsländer von Kleingärtnern im Tempelbezirk. "Vielfach bringen sie ein enormes Wissen über den Anbau mit, gerade von Nutzpflanzen", nennt Anna Bignamou, zweite Vorsitzende des Vereins, einen der Gründe, warum es sich lohnt, über den Gartenzaun hinweg ins Gespräch zu kommen. Auch für ein internationales Büffet zum Sommerfest konnte der Kulturaustausch gewinnbringend genutzt werden.

Ebenso wird auf Kommunikation zwischen den verschiedenen Altersgruppen gesetzt. Ein Seniorencafé bietet seit einigen Monaten regelmäßig Gelegenheit zum Plausch. "Manche unserer Mitglieder sind seit über 50 Jahren im Garten aktiv", erzählt Bignamou. Von deren Erfahrung könnten natürlich die Jüngeren profitieren.
Der Kleingartenverein Tempelbezirk sucht außerdem die Vernetzung mit anderen Vereinen und Bürgern der Stadt. So werden Fortbildungsveranstaltungen zum Gartenbau angeboten, die grundsätzlich allen offen stehen. Seminare zu Themen wie Fermentierung erfreuen sich laut Vorstand regen Interesses. Und es ist geplant, einen öffentlich begehbaren Schaugarten anzulegen.

Hinterm Zaun im eigenen kleinen Reich abschotten - dieses Klischee beschreibt im Tempelbezirk nicht die Realität.

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