Im Trierer Laden Kinderkram gibt es Second-Hand-Kleidung, Spielecke, ein Café und lokale Designer

Kostenpflichtiger Inhalt: Einzelhandel : Wertschätzen statt wegwerfen: Trierer Laden Kinderkram setzt Second-Hand-Konzept auf moderne Weise um

Anni Güntepe hat mit ihrem Laden Kinderkram einen Treffpunkt für Mütter, Väter und Kinder geschaffen. Gleichzeitig verleiht die Existenzgründerin gebrauchten Dingen einen neuen Wert.

Wohl jeder Selbstständige, der zuvor fest angestellt war, kommt irgendwann an den einen, entscheidenden Punkt. Der Moment, in dem er weiß: Jetzt ist die Zeit gekommen, es zu wagen und etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Bei Anni Güntepe (33), damals seit acht Jahren in Luxemburg in der Versicherungsbranche tätig, ist ihre Schwangerschaft dieser Moment. „Ich hätte nach der Elternzeit zu 100 Prozent in meine Position zurückkehren müssen. Das war für mich mit meiner Vorstellung von Familienleben und Mama-Sein nicht vereinbar.“

Und dann trifft der Wunsch nach etwas Eigenem auf einen Mangel, den sie in Trier ausmacht: „Ich habe mich oft ein bisschen verloren gefühlt mit Kind. Am Anfang ist man ganz unsicher. Man weiß nicht genau: Wo kann ich hin, und was kann ich machen?“ Oder störe ich mit meinem schreienden Kind sogar andere Menschen?

Die Mutter von Jale Anna (heute fast zwei Jahre alt) macht sich auf die Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit für ihren eigenen Laden – ein schwieriges Unterfangen. In Trier sei es nicht einfach, etwas Bezahlbares für Existenzgründer zu finden. Mit ein wenig Geduld und viel Dran-Glauben klappt es schließlich doch: Wo vorher eine Regalvermietung beheimatet war, eröffnet im April 2019 der Kinderkram – Second Hand & Concept Store. Fünf Monate dauert der Umbau. An Ideen und an einem Konzept, von dem sie überzeugt ist, mangelt es Anni Güntepe nicht. Die größte Herausforderung – und das gilt für Gründer generell – sei es, das alles in eine Bahn zu lenken und umzusetzen. Hilfe findet sie bei ihrem Mann Ercemil (42), sowohl in handwerklicher als auch in ideeller Sicht. Ercemil Güntepe ist seit mehr als elf Jahren selbstständig mit einem Elektro-Installations-Betrieb und weiß, welche Anforderungen auf einen Unternehmer zukommen. Anni Güntepe: „Ich bin ein Mensch der Taten, mache das mit meinem ganzen Herzen und denke mir: Das wird schon!“ Lachend fügt sie hinzu: „Mein Mann packt Dinge anders an, und er wundert sich schon manchmal, dass das dann alles so funktioniert. Aber deshalb ergänzen wir uns auch einfach so gut.“

Dass die Gründerin Dinge mit viel Liebe zum Detail umsetzt, beweist ihr Concept Store – ein Geschäft, das mehrere Dinge kombiniert, und bei dem sie ihre Werte und Vorstellungen genau umsetzen kann. So gibt es eine Café-Ecke samt angrenzendem Spielraum, wo sich Mütter treffen und Kinder spielen und bei Kaffee und Kuchen austauschen können. „Mit einem Kind verändert sich einfach alles. Und über diese Herausforderungen soll man auch sprechen können.“ Dieser Bereich des Ladens wird aber auch für Vorträge und Workshops genutzt – zum Beispiel beim Handlettering oder beim Basteln in den Ferien. Kürzlich gab es eine Vortragsreihe zum Thema Meeresschutz, denn Nachhaltigkeit ist der Kinderkram-Besitzerin sehr wichtig. So wurde der Theke eines früheren Trierer Geschäfts in der Café-Ecke dank eines Upcycling-Projekts neues Leben eingehaucht.

Zu diesem Thema passt natürlich der Verkauf von gebrauchter, aber sehr gut erhaltener Ware fürs Kind: vom Kindersitz und -wagen über Bücher und Spielzeug bis zur Kleidung. „Wir leben momentan in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft, und dieser Trend gefällt mir einfach nicht. Ich finde den Gedanken schön, Kleidung einfach noch mal zu Wert zu verhelfen und ein neues Leben zu geben.“ Mit dem Klischee von Mief und schummrigem Licht und Mottenkugeln hat dieses Second-Hand-Konzept nichts zu tun: „Die Sachen sind hochwertig und aufwändig ausgewählt. Wir gucken uns alles genau an.“ Künftig soll es auch ausgewählte Neuware geben.

Wie bei den Produkten fürs Café legt Anni Güntepe auch bei einer weiteren Säule ihres Konzepts Wert auf Regionalität: „Es gibt eine Ecke von regionalen Designerinnen, die kleine Start-Ups haben und hier ihre mit Liebe hergestellten Produkte verkaufen.“

Übrigens gehört zum Kinderkram derzeit für zwei Wochen auch Frauenkram: Kundinnen können momentan auch für sich selbst das eine oder andere Second-Hand-Schnäppchen finden – von Kleidung über Schuhe bis Accessoires. Was die eine nicht mehr tragen will, kann die andere glücklich machen. Am Donnerstag, 14. November, gibt es die Möglichkeit, bis um 21 Uhr einzukaufen.