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Immer auf der Suche nach Verbündeten

Immer auf der Suche nach Verbündeten

Allein auf weiter Flur: Michaela Stoll. Die Streetworkerin ist die einzige ihrer Art in Trier. Das erleichtert die Arbeit nicht gerade. Gewalt unter Jugendlichen ist auch bei ihr ein Thema.

Trier. 19 Stadtteile oder Orte umfasst Trier - kein Wunder, dass der Arbeitsbereich von Michaela Stoll als "mobile Jugendarbeit" beschrieben ist. Von Ehrang geht es mal nach Ruwer, dann in den Süd-Teil und wieder zurück ins Exzellenzhaus in Trier-Nord. Dort nämlich ist ihre Stelle - die einzige dieser Art in Trier - angesiedelt."Natürlich wünsche ich mir personelle Unterstützung", sagt die 50-Jährige. Doch das Leben einer Streetworkerin ist kein Wunschkonzert. Allein auf weiter Flur - so der erste Eindruck. "Sie ist immer auf der Suche nach Verbündeten", erklärt Hilger Hoffmann, Leiter des Jugend- und Kulturzentrums "Exhaus". Und die zu finden, sei besonders schwer. "Erwachsene sollten sich einfach an ihre eigene Jugend erinnern. Man muss Toleranz aufbringen, das Gespräch suchen."

Genau das tut auch Stoll. Sie spricht Jugendliche an, baut Vertrauen auf und versucht, ihnen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung zu bieten. Aktuell in Ruwer, wo es bald einen Jugendraum in der Grundschule geben soll. "Grundsätzlich fehlen Angebote für Jugendliche", bemängelt sie. In jedem Ort müsse es Rückzugsmöglichkeiten geben. Denn Jugendliche fühlen sich an ihren Standort gebunden.

Stoll versteht das, so wie vieles. Wohl aber auf eine andere Art und Weise. "Wenn ich lehrermäßig den Finger hebe, bekomme ich sofort die Quittung." "Anwalt der Jugend" wird sie deswegen von Hoffmann genannt, "in vielerlei Hinsicht". Hier mal eine zerbrochene Scheibe, da mal ein Schulverweigerer oder eine Schlägerei.

Die Überfälle eines 14- und eines 18-Jährigen sind da nur die Spitze des Eisberges. "Gewalt-Szenen auf Handys gibt es zum Beispiel zuhauf - auch bei Gymnasiasten. Einen Unterschied zwischen verschiedenen Schichten gibt es nicht", klärt Hoffmann auf. Zwar sei die Gewalt nicht gestiegen, wohl aber die Brutalität. "Die Hemmschwelle ist deutlich niedriger." Stolls Reaktion: "Abwarten und im richtigen Moment das Thema sensibel ansprechen. Aber bloß keine Kontrolle."

Helfen könnte das "Haus der Jugend", welches 2009 Realität wird. "Hier sollen alle Institutionen versammelt sein, um schneller handeln zu können. Dafür brauchen wir keine härteren Gesetze", sagt Rita Alexas, Geschäftsführerin des Vereins "Starthilfe". Ein Hoffnungsschimmer.

Meinung

In die Jugend investieren

Die Zeiten ändern sich. Gab es gestern mal "eins auf die Zwölf", ist es heute die Messerstecherei. Dass die Hemmschwelle gesunken ist, wissen wir nicht nur seit dem Überfall in der Münchner U-Bahn. Doch wo liegt das Problem? Hat die Jugend etwa keinen Respekt mehr vor Erwachsenen? Nein, Erwachsene haben keinen Respekt mehr vor der Jugend. Sobald der Basketball zu laut auftippt, wird die Polizei gerufen. Hängen rauchende Teens an der Bushaltestelle herum, wird die Betriebs-Aufsicht der Stadtwerke informiert. Ja, die Jugend hat sich geändert - aber auch ihr Anspruch. Ihnen muss etwas geboten werden. Räume, in denen sie Dart oder Billard spielen können, in denen sie mit Leuten sprechen können, die sie ernst nehmen, und wo sie einfach nur "abhängen" können. Doch wenn es diese Räume und diese Menschen nicht gibt, werden genau die Probleme produziert, deren Anfänge wir jetzt erleben. m.koelker@volksfreund.de