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Immer wieder Lärm an der Westtrasse

Trier. Mit Tempo 90 rattern Güterzüge über die Weststrecke in Trier. Das kostet die Anwohner Nerven. Vor allem in den Nachtstunden raubt es auch Menschen den Schlaf, die in zweiter und dritter Reihe wohnen. Eine dauerhafte Nutzung der Ausweichstrecke ist laut Bahn allerdings nach wie vor nicht geplant. Rainer Neubert

Trier. Heike Feldmann-Koch hat es satt. "Wir wären niemals in dieses Haus gezogen, wenn wir gewusst hätten, was da auf den Gleisen passiert." Die 48-Jährige und ihr Mann sind 2012 von Heiligkreuz in das schmucke Häuschen in Zewen umgezogen, in dem sie nun keinen Schlaf mehr findet, sobald Güterzüge auch nachts über die Weststrecke rattern. "Vor drei Jahren herrschte hier noch Ruhe. Aber seit 2013 hat der Lärm immer mehr zugenommen."Von April bis August, als die über Jahrzehnte kaum befahrenen Gleise westlich der Mosel plötzlich 24 Stunden lang genutzt wurden, schützten die doppelverglasten Fenster nicht vor dem Lärm. Ende Februar war es für neun Tage erneut so (der TV berichtete mehrfach). Und in der kommenden Woche wird es wieder laut. Grund der ungewohnten Verkehrsdichte auf der Strecke: zunächst Gleis- und Weichenarbeiten, nun Arbeiten an den Oberleitungen auf der Hauptstrecke zwischen Ehrang und Hauptbahnhof. In solchen Fällen, das hat ein Sprecher der Bahn erneut auf TV-Anfrage bestätigt, dient die Westtrasse als Ausweichstrecke. Möglich geworden ist das durch die Renovierung eines Verbindungsgleises zwischen dem Ehranger Güterbahnhof und den davor meist im Dornröschenschlaf befindlichen Gleisen im Westen. Diese nun funktionstüchtige Strecke wird ab Ende 2018 von den modernen und leisen Triebwagen neuer Regionalbahnen genutzt, die dann von Wittlich bis nach Luxemburg-Stadt beziehungsweise Konz fahren. Vier neue Haltepunkte werden bis dahin in Trier gebaut. Zusätzliche Bahnsteige sind in Igel und am Westkreuz Konz vorgesehen. "Die neuen Züge sind kein Problem", sagt Heike Feldmann-Koch, "die hört man nicht. Aber warum müssen die schwer beladenen Güterzüge so schnell hier durchbrettern?" Sie verstehe die Gleichgültigkeit nicht, die offenbar bei anderen Anliegern vorherrsche. "Und wenn so ein Zug dann auch noch wegen der Schranke bremsen muss, ist der Lärm einfach brutal."Katarina Barley, die Trierer SPD-Abgeordnete im Bundestag, hatte nach dem TV-Forum zur Reaktivierung der Westtrasse (TV vom 17. Juli) angekündigt, sich für die Menschen an der Westtrasse zu engagieren. Auf Anfrage zu Fahrgeschwindigkeit und Entwicklung des Güterverkehrs dort erhielt sie nun von Jürgen Konz, dem DB-Konzernbevollmächtigten für Rheinland-Pfalz und das Saarland, eine umfassende Antwort. Demnach beträgt die maximal zulässige Geschwindigkeit in Trier-West, Trier-Euren und Trier-Zewen 90 Stundenkilometer. Die DB Netz AG habe weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen, beispielsweise aus Lärmschutzgründen, abgelehnt, da sie die Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs gefährdeten. "Die Infrastruktur der Westtrasse wird nach wie vor im Bedarfsfall für Umleitungsverkehre genutzt." Investitionen in Technik

Wie kann aber in diesen Bedarfsfällen der Lärm reduziert werden? Die Bahn ist nur dann dazu gesetzlich verpflichtet, eine Lärmschutzwand zu bauen, wenn sie wesentliche bauliche Veränderungen vornimmt, also zum Beispiel, wie in Igel ein zweites Gleis baut. Auch wegen des politischen Drucks investiert die Deutsche Bahn allerdings in die Technik. Vor allem die sogenannte "Flüsterbremse" soll Güterzüge leiser machen. "Sie verhindert das Aufrauen der Räder, mindert somit das Rollgeräusch deutlich und bekämpft Lärm an der Quelle", so Konzernbevollmächtigter Jürgen Konz. Der Lärm von Güterwagen könne dadurch um zehn Dezibel verringert werden, was gefühlt einer Halbierung des Lärms entspreche. Dank des Pilotprogramms "Leiser Rhein" der Bundesregierung habe das Bahn-Tocherunternehmen DB Schenker Rail AG - führender Anbieter im europäischen Schienengüterverkehr - bis Ende 2014 mehr als 1250 Güterwagen umgerüstet. Bis Ende 2020 würden alle 60 000 Güterwagen des Unternehmens mit dem leisen Bremssystem ausgerüstet sein. Das war auch Thema bei einem Treffen der Landesregierung mit dem Vorstand der DB Schenker Rail in der Staatskanzlei in Mainz. Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Wirtschaftsministerin Evelin Lemke und Innenminister Roger Lewentz nahmen daran teil. Und auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat nun eine Gesetzesinitiative angekündigt. Ziel ist es dabei, ab 2020 laute Güterwaggons in Deutschland zu verbieten. Für Heike Feldmann-Koch in Zewen ist das aktuell kein wirklicher Trost. "Wenn hier in der Nacht 28 Züge durchrattern, ist das einfach zu viel. Dieses Remmidemmi muss aufhören!"Meinung

Bitte keine Sonderschichten!Der Dornröschenschlaf der Weststrecke ist beendet. Tagsüber fahren dort mehr Züge als noch vor einem Jahr. Das würden die meisten Anwohner an den Gleisen ja vielleicht noch mit einer gewissen Frustration hinnehmen. Wenn aber nachts die Güterzüge rollen, wird jede Toleranzgrenze überschritten. So stellen sich die Menschen die bange Frage, ob die ruhelosen Nächte irgendwann zum Dauerzustand werden? Auszuschließen ist das nicht, falls die bisherige Hauptstrecke im Osten einmal voll ausgelastet ist. Bis dahin ist aber noch viel Spielraum, wie aus Bahnkreisen verlautet. Bestes äußeres Zeichen dafür ist das Stellwerk für die Gleise im Westen. Das wird noch manuell bedient, auch in der Nacht - falls die Strecke dann gebraucht wird. Eine Automatisierung ist derzeit nicht vorgesehen. Jede nächtliche Nutzung erfordert also teure Zusatzschichten. Wenn erst einmal die Regionalzüge im Westen rollen, wird auch tagsüber weniger Platz und Zeit für Güterzüge sein. Zumindest ein Teil des Schwerverkehrs der Deutschen Bahn wird dann mit Flüsterbereifung unterwegs sein. Eine gute und wichtige Initiative, die nun durch die Ankündigung des Bundesverkehrsministers zusätzlich Gewicht bekommt, ab 2020 keine lauten Güterzüge mehr auf Deutschlands Schienen zu erlauben. Würde ein solches Gesetz auch für die Rumpelzüge der europäischen Nachbarn Bestand haben? Die Zweifel daran sind nicht unbedingt leise. r.neubert@volksfreund.deExtra

Auch im März und April werden in einigen Nächten Güterzüge über die Weststrecke rollen. Grund dafür sind Bauarbeiten an den Oberleitungen zwischen dem Bahnhof Ehrang und Trier Hauptbahnhof. Hier die Termine: 11./12., 12./13., 13./14., 24./25. und 25./26. März sowie 10./11. April. In diesen Nächten ist das manuelle Stellwerk im Westen besetzt. Das hat die Bahn auf TV-Anfrage mitgeteilt. r.n.