Importierte Bräute

TRIER. (woc) "Importbräute" sind junge Frauen, die aus ihrem Heimatland nach Deutschland geholt und dort zwangsverheiratet werden. An ihrer Integration in die Gesellschaft haben ihre Ehemänner oft kein Interesse. Über das Schicksal dieser Frauen informiert heute Abend ein Vortrag in der Volkshochschule (VHS).

Deutschland kennen die "Importbräute" häufig nur aus Erzählungen. Auf ihr Leben hier zu Lande sind die jungen Frauen nicht vorbereitet - und häufig schotten die Ehemänner die Frauen bewusst von der übrigen Gesellschaft ab. Deutsche Sprachkenntnisse oder Wissen um ihre Rechte haben die Frauen meist nicht. In ihrem Buch "Große Reise ins Feuer - Die Geschichte einer deutschen Türkin" beschreibt die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ates ihren Weg aus strikten islamischen Traditionen hin zu einem selbstbestimmten Leben. "Und wenn ich sage, dass ich in beiden Kulturen lebe, heißt das nicht, dass ich mir aus beiden nur die Rosinen picke. Das geht überhaupt nicht. Man kommt nicht drumherum, auch die negativen Seiten zu nehmen", sagt die 1963 in Istanbul geborene Berlinerin. Mit dem Vortrag "Importbräute in Deutschland, Realität und Alltag in der BRD - recht- und ratlos?" will Ates einen Einblick in die Situation türkischstämmiger Migrantinnen geben. Die Menschenrechtsaktivistin Ates, die vor 20 Jahren in ihrer Beratungsstelle für türkische Frauen von den Pistolenschüssen eines Türken schwer verletzt wurde, fordert unter anderem eine Verschärfung des Strafrechts, um türkische Einwanderinnen vor Gewalt und so genannten Ehrenmorden zu schützen. Bei Ehrenmorden töten Väter oder Brüder ihre Töchter oder Schwestern mit dem Argument, diese hätten die Familienehre zerstört. Neben vielen anderen Auszeichnungen wurde Ates vom Verband der Deutschen Staatsbürgerinnen als "Frau des Jahres 2005" ausgezeichnet. Der Vortrag in der VHS, Domfreihof 1b, Raum 5, 19 bis 21 Uhr, ist Teil der sechsteiligen Veranstaltungsreihe "Parallelgesellschaften in Deutschland" des Arbeitskreises Migration und Segregation der Universität Trier.