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Improvisieren unter Neros Augen

Improvisieren unter Neros Augen

Etwa 100 Zuhörer sind am Donnerstag zum zweiten Konzert der vom Jazzclub Trier organisierten Jazz-im-Brunnenhof-Reihe gekommen. Drei hochkarätige Combos aus der Trierer Szene haben zweieinhalb Stunden unter Neros Augen Lebensfreude versprüht.

Trier. Jazz ist immer auch Improvisation - und so musste am Ende des Auftritts der Gruppe Nils Wills die Zugabe ausfallen. Nicht nur, weil das Sopransaxofon von Bandleader Nils Thoma nicht so wollte wie der Musiker. Sondern auch, weil nach 22.30 Uhr kein Ton mehr aus dem Brunnenhof nach außen klingen darf. Den Grund nennt Thoma, Vorsitzender des Jazzclubs Trier, auch: "Ein Musiker, der in der Nachbarschaft der Porta Nigra wohnt, hat das Nachtspielverbot gegenüber der Stadt Trier gerichtlich durchgesetzt."
Anders als der Titel Day after Day (von Nils Thoma als Tägliches Allerlei ins Deutsche übersetzt) verspricht, bringen die neun Musiker von Nils Wills kein jazziges Allerlei zu Ohren. Die Besetzung: Petra Bungert: Gesang, Daisy Becker: Trompete, Nils Thoma und Carlos Wagner: Saxofon, Winfried Bungert: Gitarre, Andi Haller: Posaune, Piere Unfer: Piano, Stefan Zawar-Schlegel: Bass, Jörg Zeimetz: Schlagzeug. Der römische Kaiser Nero - im Brunnenhof in einer Skulptur präsent - hätte sicherlich auch zur Harfe gegriffen, um mit der Band zu improvisieren.
Musikalisches Gegenstück zu Nils Wills ist das Benedikt Schweigstill Quintett. Besetzung: Benedikt Schweigstill: Piano, Stefan Weis: Posaune, Markus Poschenrieder: Tenorsaxofon, Tanja Silcher: Bass, David Gawlik: Schlagzeug. Cool, an das Esbjörn Svensson Trio erinnernd, vertreiben die fünf Musiker mit dem Titel Nord-Nord-West die Regenwolken über dem Brunnenhof.
Den Jazz-Standards verschrieben hat sich die Bachband in der Besetzung Ralf Bach: Piano, Daisy Becker: Trompete, Stefan Reinholz: Altsaxofon, Stefan Zawar-Schlegel: Bass, Michael Schömer: Schlagzeug. Mit dem Titel Pinocchio von Wayne Shorter beweisen die Musiker, dass sie sich im Bebop-Stil genauso wohl fühlen wie in den komplexen Kompositionen des US-Amerikaners John Scofield.
Höhepunkt der 23. Ausgabe des Jazz-im-Brunnenhof-Festivals ist der Auftritt des Jazz-Schlagzeugers Billy Cobham am Donnerstag, 21. Juli (weitere Termine siehe Extra). Er gilt als ein Wegbereiter des Jazz-Rock und spielte unter anderem zusammen mit Miles Davis, dem Mahavishnu Orchestra und Peter Gabriel.Extra

Open-Air-Konzerte jeweils donnerstags, 20 Uhr, in der Reihe Jazz im Brunnenhof: Billy Cobham Band (21. Juli), Christoph Stiefel mit dem Inner Language Trier (28. Juli), SBO - Slavko Benic Orkestr (11. August) und Max Neissendorfer mit dem Swing & Scat Project (25. August). Tickets kosten je zehn Euro, mit Ausnahme der Billy Cobham Band (19 Euro im Vorverkauf, 23 Euro an der Abendkasse). itz