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Solidarische Landwirtschaft: In den Beeten wächst und gedeiht es

Solidarische Landwirtschaft : In den Beeten wächst und gedeiht es

Das Projekt Solidarische Landwirtschaft in Trier vergrößert sich, kooperiert künftig mit einem Bauernhof in Kell am See – und trotzt dem Coronavirus. Eine Frage wird im Verein heiß diskutiert: Gehört ein Schwein gekuschelt oder auf den Teller?

Ökologisch angebautes Gemüse und ein Ort der Begegnung: Im Trierer Projekt solidarische Landwirtschaft kommen unterschiedliche Menschen zusammen, die das Ziel eint, im Gemeinschaftsgarten Nutzpflanzen anzubauen und dabei mit- und voneinander zu lernen.

Nun wird dieser „Ort zum Sein“, wie ihn die auf Honorarbasis bezahlte Gärtnerin Eva-Maria Altena nennt, erweitert. Altena, die das Herz des Gemeinschaftsgartens ist, hat Großes vor: Auf 43 Anteile ist die Solawi bereits gewachsen, und diese Zahl soll sich weiter steigern. Dafür hat sich Altena einen erfahrenen Gärtner an ihre Seite geholt: Felix Kilian, der bereits drei Jahre in der bisher 180 Anteile größeren Solawi in Aachen gearbeitet hat. Er bringt von dort viel Erfahrung und Vorkenntnisse mit und freut sich auf die Aufgabe in Trier: „Es macht mir viel Spaß, draußen zu sein und neue Projekte zu entwickeln.“

Und das neue Trierer Projekt ist groß. Denn der Plan sieht nicht nur vor, den bestehenden Gemeinschaftsgarten effizienter zu gestalten, um dort mehr Anteile zu generieren. Ein Hof in Kell am See soll mit einbezogen werden. Dessen Pächter Frederik Zeller ist bisher konventioneller Landwirt. Er schätzt die neu entstehende Zusammenarbeit mit der Trierer Solawi: „Ohne diese Gemeinschaft könnte ich nicht mit meinem Hof weiterwachsen.“ Für ihn ist die Kooperation eine Mischung aus Traum und Vernunft, denn er sieht in dem solidarischen System die sinnvollste Art, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben, in der auch das auskömmliche Einkommen des Landwirts eine entscheidende Rolle spielt.

Zellers Wunschvorstellung nach soll die Trierer Solawi künftig nicht nur aus Gemüseanteilen bestehen, sondern auch eine tierische Komponente aufweisen. Bei diesem Thema gehen die Meinungen im Verein jedoch stark auseinander: Während die einen von gutem Fleisch glücklicher Tieren träumen, hätten die andern lieber ein kleines Schweinchen zum Kuscheln und Trüffelsuchen. Die Zukunft wird zeigen, welche Fraktion sich durchsetzt.

Zunächst soll auf dem Keller Hof klein angefangen werden. Geplant ist die Aussaat von Gemüse, das wenig Betreuung braucht: Kartoffel-, Yacon- und Kürbis-Pflanzungen sollen von Trier nach Kell umziehen.

Auf dem Hof im Hochwald gibt es bereits zwei Folientunnel, die, neu aufbereitet und beerdet, Raum für innovativen Gemüseanbau bieten sollen. Dank der wärmehaltenden Tunnel kann länger geerntet werden, als es die Temperaturen natürlicherweise erlauben, sodass die Paprika auch noch Ende Oktober genossen werden kann.

Solawi profitiert bei der Umsetzung der Pläne vom Zeitgeist: Wenige Themen prägten das vergangene Jahr so sehr wie der Klimawandel und seine Auswirkungen. Immer mehr Menschen sind der Meinung, dass sich etwas ändern muss. Doch was kann eine einzelne Person ausrichten? Mit Blick auf die Ernährung hat Gärtnerin Eva-Maria Altena darauf eine klare Antwort: „Die solidarische Landwirtschaft ist die einzige Möglichkeit, den Anbau von Lebensmitteln so zu gestalten, wie wir uns das im nachhaltigen Sinne vorstellen.“

Das Coronavirus hat erst einmal keine Auswirkungen auf den Betrieb im Trierer Gemeinschaftsgarten, wie es bei der Solawi heißt. Für die Ernteverteilung ist weiter gesorgt.