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In der Gewalt unsichtbarer Mächte: Vortrag über Naturreligionen

In der Gewalt unsichtbarer Mächte: Vortrag über Naturreligionen

Pater Bernd Udelhoven aus Bitburg gehört zu den Trierer Weißen Vätern und ist seit 17 Jahren in Sambia/Ostafrika tätig. Er hat in Trier über seine Beobachtungen und Erfahrungen mit dem in seinem Gebiet wie auch in Afrika allgemein sehr gegenwärtigen Geister- und Hexenglauben gesprochen.

Trier. Geister- und Hexenglauben - das stellt für die katholische Kirche eine große Herausforderung dar. Dieser Glaube ist tief verwurzelt und hat einer "westlich rational" geprägten Weise der christlichen Glaubensvermittlung in den letzten anderthalb Jahrhunderten bis heute widerstanden. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil haben fundamentalistisch orientierte "Pfingstkirchen" in Teilen Afrikas ein willkommenes Betätigungsfeld entdeckt und sich sehr vermehrt. Ihre rigorosen Exorzismuspraktiken sind jedoch oft wenig heilsam, sondern schaden den Menschen eher und führen zu einer Spaltung der Gesellschaft.
Durch seine jahrelange Arbeit, den Kontakt mit den betroffenen Menschen und den Dialog mit traditionellen Heilern hat Bernd Udelhoven wesentliche weiterführende Erkenntnisse gewonnen. Diese hat er in einer Studie verarbeitet, dem Buch "Unseen worlds. Dealing with Spirits, Witchcraft, and Satanism" (Fenza Publications), das schon viel Anerkennung erfahren hat. Anlässlich seines Heimaturlaubs hat Udelhoven auf Einladung des Arbeitskreises Welt-Literatur der AG Frieden Trier seine Erkenntnisse einer faszinierten Zuhörergruppe vorgetragen. Quintessenz seiner Erkenntnis ist, dass man dem Hexen- und Geisterglauben als prägender und den Lebensweg bestimmender Erfahrung von Menschen offen begegnen muss und ihn ernstnehmen sollte.
Pater Udelhoven schlägt vor, dass man beim Umgang damit anknüpft an traditionelle Rituale der afrikanischen Gesellschaft: Rituale, bei denen Menschen über das Tanzen in Trance geraten und dabei vieles aus ihrer inneren Welt zum Ausdruck bringen. Dies kann mit künstlerischer Aktivität oder auch unserem Karneval verglichen werden.
Diese Rituale haben für die Gesellschaft eine heilende Funktion. Das dort Geäußerte und Gesagte, die Bilder aus der inneren Welt, dürfen nicht mit der Alltagskommunikation gleichgesetzt werden. Denn die innere Welt hat eigene Bilder und Symbole, die im Gespräch, in der Arbeit mit den Menschen der Umgebung gedeutet werden müssen. Eine direkte Übertragung kann zu falschen Anschuldigungen und Racheakten führen. red