In der Sprache von Jesus Christus

In der Sprache von Jesus Christus

Die Heilig-Rock-Tage sind beendet. An seinem letzten Wochenende hat das Bistumsfest eine internationale Note erhalten. Beim Pontifikalamt am Samstag sind Lieder, Gebete und Fürbitten in vielen Sprachen erklungen, darunter die vermutete Muttersprache von Jesus Christus.

Giovanni D'Ercole, der Bischof von Ascoli Piceno (Italien). Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Ein Wochenende der Lieder und Tänze. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Menschen aus vielen Nationen feiern gemeinsam im Trierer Dom. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Trier. Das Gloria-Lied "Ehre sei Gott in der Höhe" klingt in polnischer Sprache so: "Chwala na wysokoci Bogu." Die folgende Bibel-Lesung aus der Apostelgeschichte ist in aramäischer Sprache zu hören. Schon vor 2000 Jahren wurde Aramäisch in den Gebieten gesprochen, in denen Jesus nach der historischen Überlieferung lebte und lehrte. Beim Pontifikalamt geht es am Samstag im Trierer Dom vielstimmig zu. Es sind die muttersprachlichen Missionen und Gruppierungen im Bistum, die zusammen mit Bischof Giovanni D'Ercole aus Triers italienischer Partnerstadt Ascoli Piceno diesen Gottesdienst gestalten. Eindrücklich wird damit ein Tag abgeschlossen, der ganz im Zeichen der internationalen Begegnung stand.
Schon am frühen Nachmittag trifft sich ein buntes Gemisch aus vielen Völkern zu Kaffee und Kuchen im Zelt vor dem Dom. Caritas und Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) haben zum "Café International" eingeladen - ganz gezielt auch Flüchtlinge aus den Erstaufnahme-Einrichtungen in Trier.
Rund 400 Albaner, Armenier, Syrer, Iraker und Menschen zahlreicher weiterer Nationen begrüßt Ruth Mareien de Bueno vom KAB-Diözesanvorstand. Ihre Ansprache wird in mehrere Sprachen übersetzt, inklusive des Hinweises auf ein besonderes Symbol dieses Tages: "Im Dom steht heute ein Kreuz aus Lampedusa. Es ist ein stiller Ort zum Zurückziehen. Dort kann man auch Trauer und Ärger vorbringen oder eine Fürbitte."
Einen Einblick in ihre Gefühlswelt eröffnen die multinationalen Gäste mit Liedern und Tänzen auf der Bühne. Farbenfrohe Bilder des Projekts "Unter Kulturen Austausch fördern mittels Kunst" zeigen die Sicht von Kindern aus der Aufnahmeeinrichtung in der Luxemburger Straße. Im Gegenzug wird den Besuchern nicht nur Kuchen angeboten, sondern auch Info-Material mit nützlichen Alltagstipps. "Die wichtigsten Verkehrsregeln für Fahrradfahren in Deutschland": In zwölf Sprachen liegt die von der Flüchtlingshilfe im Bistum Trier erstellte Broschüre aus. Wichtige Fakten zum Asylverfahren im Kurzüberblick finden sich ebenfalls am Stand. Ein mit Vertretern von Stadt Trier, Bistum, Katholikenrat und einer landesweiten Initiative besetztes Podium diskutiert derweil in den Räumen der Dominformation unter dem Titel "Ich war fremd und obdachlos" , wie eine Integration der Kulturen gelingen kann.
Drei aus seiner Sicht wesentliche Punkte hebt Torsten Jäger vom "Initiativausschuss Migrationspolitik Rheinland-Pfalz", einem Projekt mehrerer Wohlfahrtsverbände und Ausländerbeiräte, hervor. Hürden beim Zugang zu Bildung und Sprachkursen seien abzubauen, die Anrechnung von Fristen zu verbessern, um einen rascheren Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen und drittens Gleichbehandlung statt Ressentiments im Alltag.
Einiges wurde auch schon erreicht, berichtet die Sozialdezernentin der Stadt Trier, Bürgermeisterin Angelika Birk: "Wir haben 1000 jugendliche Unbegleitete zwischen 14 und 18 Jahren über die Sozialarbeit integriert. Mein Dank geht hier an viele Einrichtungen, die das möglich gemacht haben. Ich denke beispielsweise an Don Bosco, die hier eine Vorreiterrolle spielen."
Für das Bistum nennt Generalvikar Georg Bätzing die Zahl von rund 1000 Kindern von Asylsuchenden, die bereits im Bereich "Über drei Jahre" in den katholischen Kindertagesstätten aufgenommen wurden, 400 weitere stünden auf der Warteliste. "Die Flüchtlinge und der Einsatz der vielen Ehrenamtlichen für sie sind für uns ein Gewinn. Denn sie zwingen uns, über unser eigenes Selbstverständnis nachzudenken. Nicht wie, sondern wofür sind wir Kirche", meint Bätzing.

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