In Riol wird gerodelt

Nach TV-Informationen hat der Ausschuss der Investitions- und Strukturbank (ISB) Rheinland-Pfalz am Montag "Ja" zur Bürgschaft für die Finanzierung der Sommerrodelbahn in Riol gesagt. Die Riesenrutsche ist ein Baustein der Freizeitsee-Anlage, die am Moselufer entsteht. Damit ist die Seite des Privatinvestors abgesichert. Die Gemeinde muss ihre "Hausaufgaben" noch machen.

Riol. Das Partnerschaftsprojekt "Freizeitsee Triolago Riol" zwischen der Gemeinde Riol und dem Investor, der "Becker Freizeitsee GmbH", hat seit Baubeginn vor sechs Jahren einige schwere Stürme erlebt.

Jüngst kämpfte der Investor mit der Ablehnung der Landesbürgschaft für das Darlehen, das zum Bau der 2,5 Millionen teuren Sommerrodelbahn notwendig ist (der TV berichtete).

Das "Wie" wird demnächst im Rat beschlossen



Die ISB Rheinland-Pfalz, die gegenüber Kreditinstituten Bürgschaften für volks- und betriebswirtschaftlich förderungswürdige Unternehmen übernimmt, zweifele an der Rentabilität des Projekts, hieß es im Dezember 2008. Offenbar ist man in Mainz nun anderer Meinung. Der Investor hatte erneut einen Antrag gestellt, und nach TV-Informationen beschloss die ISB am vergangenen Montag, die Bürgschaft für den erforderlichen Kredit zum Bau der Sommerrodelbahn in Riol zu übernehmen.Der Investor hatte mit dem Ende des Projekts gedroht, falls die Bürgschaft nicht übernommen würde. "Die Sommerrodelbahn ist ein Bestandteil des mehrteiligen Konzepts", betonte Günter Becker, von der Freizeitsee GmbH. Sie sei für die Gesamtkalkulation unentbehrlich. Der Investor wollte sich zur Landesbürgschaft nicht äußern. "Uns liegt nichts schriftlich vor", sagte Gabriele Becker, Geschäftsführerin der Becker Freizeitsee GmbH. Während sich auf Investorseite die dunklen Wolken offensichtlich verziehen, ist die Gemeinde noch mit der Finanzierung ihres Anteils am Kämpfen.

Die Anlage, die ursprünglich komplett aus dem riesigen Kiesvorkommen finanziert werden sollte, sollte die Gemeindekasse kaum belasten. Doch eine unvorhergesehen aufgetauchte Mineralbetonschicht, die während Erkundungsbohrungen nicht entdeckt wurde, warf bekanntlich den Finanzierungsplan um. Die betonharte Schicht führte zu Einnahmeverlusten und Verteuerungen. Die Gemeinde beteiligte sich an der Schadensregulierung. Der Versuch von Ortsbürgermeister Arnold Schmitt, die Ausfälle über eine erhoffte 80-prozentige Landesförderung zu begleichen, scheiterte. Ein Gespräch Anfang März im Mainzer Wirtschaftsministerium brachte die endgültige Klarheit: der Gemeindeanteil beträgt 570 000 Euro. Der Gemeinderat Riol hatte sich in einer Sondersitzung fraktionsübergreifend für das Weitermachen ausgesprochen. Nach der gemeinsamen Sitzung des Ältestenrats der Ortsgemeinde Riol und dem Investor am Mittwochabend sagte Ortsbürgermeister Arnold Schmitt. "Jeder, die Gemeinde, die Verbandsgemeinde und der Investor haben ihre Hausaufgaben bekommen." Demnächst werde in einer Ratssitzung beschlossen, "wie wir es machen werden."

Meinung

Ran an die Hausaufgaben

Wunder gibt es immer wieder" trällerte 1970 Katja Ebstein durch die deutschen Hitparaden. Seit Mittwoch könnte sich die Bardin vor die Rioler Kiesgrube stellen und erneut mit ihrem Oldie losschmettern: Die ISB hat Investor Günter Becker eine deutliche Aussicht auf eine Landesbürgschaft signalisiert. Die Sommerrodelbahn, die Becker als unabdingbar für den Einstieg ins Freizeitgeschäft sieht, scheint gesichert. Auf kommunaler Ebene wird unterdessen weiter nach Füllstoff für das finanzielle Riesenloch gesucht, das das Gesamtprojekt "Freizeitsee" in die Rioler Gemeindekasse zu reißen droht. Ortsbürgermeister Arnold Schmitt spricht kryptisch von "verteilten Hausaufgaben". Ja dann mal ran ans Werk… f.knopp@volksfreund.de