In Trier gibt es eine neue Selbsthilfegruppe für Frauen, die an Endometriose erkrankt sind

Kostenpflichtiger Inhalt: Selbsthilfegruppe für Frauen in Trier : Endo ... was? Wenn die Menstruation zur Qual wird

Jede zehnte Frau leidet in Deutschland an Endometriose. Bekannt ist die Krankheit trotzdem kaum. Melanie Clemens engagiert sich in Trier dafür, dass Betroffene künftig von diesem Satz verschont bleiben: „Stell dich nicht so an!“

„Es ist, als würden 20 Messer in mich hineinstechen.“ Von außen sieht man Melanie Clemens die Schmerzen nicht an, die sie seit Jahren jeden Monat erträgt. Das ist eines der großen Probleme von Endometriose-Patientinnen: Sie werden häufig nicht ernst genommen. „Andere Frauen gehen doch auch arbeiten, wenn sie ihre Regel haben, also stell dich nicht so an!“

Diese Sätze hört Melanie Clemens häufig. Das liegt vor allem daran, dass die Krankheit so unbekannt ist, obwohl zwischen zehn und 15 Prozent aller Frauen betroffen sind. Im Durchschnitt dauert es sieben bis zehn Jahre, bis Endometriose bei einer Frau festgestellt wird.

Melanie Clemens fehlte gerade im Raum Trier ein Ort, der über Endometriose aufklärt und Frauen die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen. Deshalb hat sie im November 2018 die Endometriose-Selbsthilfegruppe gegründet und leitet sie seither ehrenamtlich. Nach Angaben der Endometriose-Vereinigung Deutschland ist diese Gruppe die einzige in der Region.

Doch was genau ist Endometriose? Es ist eine chronische und nicht heilbare Erkrankung, bei der sich Zellen, die den Zellen der Gebärmutterschleimhaut ähneln, außer­halb der Gebärmutter ansiedeln. Diese sogenannten Endometrioseherde können fast überall im Körper auftauchen. Besonders häufig sind die Eierstöcke, die Eileiter, das Bauchfell, der Darm, die Scheide und die Blase betroffen. In selteneren Fällen werden die Herde auch in der Lunge oder im Kopf gefunden. Dort können diese Zellen Entzündungen, Blutungen, Zysten und Vernarbungen auslösen.

Jährlich kommt es in Deutschland zu 40 000 Neuerkrankungen, die nur über eine Bauchspiegelung eindeutig diagnostiziert werden können.

Die Symptome der Krankheit sind so vielfältig, dass sie von Ärzten als das „Chamäleon der Gynäkologie“ bezeichnet wird. Sehr starke Schmerzen während der Menstruation zählen am häufigsten dazu. Eine Patientin berichtet, dass sie schon mehrfach durch die plötzlichen Schmerzen ohnmächtig geworden sei. Melanie Clemens ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass starke Regelschmerzen nicht die Regel, sondern häufig ein Anzeichen von Endometriose sind. Bei manchen Frauen treten auch häufiger Harndrang, starke Menstruationsblutungen, Rückenschmerzen, Erschöpfung, chronische Schmerzen oder Unfruchtbarkeit auf. Die Ursache der Krankheit ist ungeklärt.

Genauso vielfältig wie die Symptome sind die Behandlungsmöglichkeiten. Häufig werde Frauen zu Operationen, Schmerzmitteln und Hormontherapien geraten, die jedoch nicht jeder Frau helfen, erzählt Melanie Clemens. Sie wünscht sich einen ganzheitlicheren Ansatz, der auch Naturheilkunde und Osteopathie einbezieht. „Die Endometriose jeder Frau ist individuell, deshalb muss auch jede Frau ihren eigenen Weg mit der Krankheit finden.“ Das mache ihre Selbsthilfegruppe für Betroffene so wertvoll: Hier habe jede die Möglichkeit, ihre Erfahrungen zu teilen und durch das Wissen der anderen ihren eigenen Umgang mit der Krankheit zu finden.

An jedem dritten Mittwoch eines Monats treffen sich bisher acht Frauen zwischen 20 und 50 Jahren von 18 bis 20 Uhr im Gruppenraum der Beratungsstelle proFamilia in der Balduinstraße 6 in Trier. Sie haben bisher zum Beispiel besprochen, wie Endometriose und Ernährung zusammenhängen oder was die Fachbegriffe auf den Diagnoseberichten der Ärzte bedeuten. „Ich war schon lange auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe und bin so froh, dass Melanie eine gegründet hat“, erzählt eine Teilnehmerin. Bei der Gründung erhielt Clemens Hilfe von der Endometriose-Vereinigung Deutschland, an die sich jede Betroffene kostenlos wenden kann.

„Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Krankheit schon in der Schule und auch bei Ärzten bekannter gemacht wird und endlich eine Lobby bekommt“, sagt Melanie Clemens. Sie und die anderen Mitglieder der Gruppe freuen sich auf neue Frauen, die auch einen Ort suchen, an dem sie verstanden und ernst genommen werden.

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