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In Trier gibt’s keine einzige Feuerwehrfrau. Warum?

Kostenpflichtiger Inhalt: Kaum Bewerberinnen : In Trier gibt’s keine einzige Feuerwehrfrau - Warum?

Sind die körperlichen Anforderungen zu hoch oder woran liegt es, dass bei der Trierer Berufsfeuerwehr keine Frau im Brandschutz tätig ist? Darüber diskutierte auf Anfrage der Grünen der städtische Feuerwehrausschuss.

Bei den Trierer Jugendfeuerwehren liegt der Mädchenanteil bei 22 Prozent. Bei den Freiwilligen Feuerwehren der Stadtteile sind noch 6,1 Prozent Frauen. Bei der Berufsfeuerwehr: 0 Prozent. Die Trierer Grünen meinen, das könne auch am Sporttest liegen, den Bewerber absolvieren müssen – mit gleichen Anforderungen für Mann und Frau (siehe Info).

Ob das stimmt, ist schwer zu beurteilen. Denn in den vergangenen drei Jahren haben sich insgesamt nur vier Frauen für den Feuerwehrdienst beworben. Bis zum Sporttest hat es keine von ihnen geschafft.

„Bei den drei Bewerberinnen im Jahr 2018 hatte eine nicht die geforderten beruflichen Voraussetzungen, eine zog ihre Bewerbung zurück und die dritte erschien trotz Einladung nicht zum Auswahlverfahren“, beantwortete Feuerwehrdezernent Thomas Schmitt in der jüngsten Dezernatsausschusssitzung eine entsprechende Anfrage der Grünen. 2017 habe es gar keine Bewerberin gegeben und 2019 eine einzige. „Und die hatte das in der Ausschreibung vorgegebene Höchstalter bereits um drei Jahre überschritten und verfügte zudem nicht über die handwerkliche Voraussetzung“, erläuterte Schmitt.

In den Jahren zuvor hat es laut Triers neuem Feuerwehrchef Andreas Kirchartz dagegen durchaus schon Frauen gegeben, die es im Bewerbungsverfahren bis zum Sporttest geschafft und diesen erfolgreich absolviert hätten. „Diese Frauen sind dann allerdings im anschließenden Vorstellungsgespräch ausgeschieden“, berichtete Kirchartz.

Grünen-Ausschussmitglied Michael Lichter, selbst Polizist, fokussierte sich trotzdem auf den Sporttest als mögliche Ursache für den Frauenmangel bei der Trierer Berufsfeuerwehr: „Bei der Polizei ist es so, dass die Frauen für die Bewältigung des Hindernisparcours zum Beispiel mehr Zeit eingeräumt bekommen. Beim Sporttest der Feuerwehr müssen Frauen und Männer dagegen das gleiche leisten. Dabei frage ich mich schon, welche Frau beim Bankdrücken 15 Wiederholungen mit 40 Kilo Gewicht schaffen soll, wie es bei der Feuerwehr verlangt wird.“

Dezernent Schmitt hielt dagegen, dass er durchaus Frauen kenne, die so trainiert seien, dass sie diese sportliche Anforderung bewältigen könnten. „Im Gegensatz zu manchem Mann. Ich zum Beispiel würde in meinem jetzigen Fitnesszustand die Sportprüfung wohl nicht schaffen“, fügte Schmitt an.

Zudem habe er sich bei allen anderen Berufsfeuerwehren in Rheinland-Pfalz erkundigt. „Keine differenziert bei der Sportprüfung zwischen Mann und Frau“, sagte Schmitt. Das mache auch Sinn, denn die körperlichen Anforderungen im Feuerwehrdienst seien für Frauen und Männer auch gleich hoch. „Wenn man da sechs Stunden im Einsatz ist mit schwerem Gerät, das ist schon heftig. Und bei den Rettungseinsätzen wird dann auch nicht unterschieden, ob gerade ein Mann oder eine Frau Dienst hat.“ Auch bei den anderen Berufsfeuerwehren im Land seien Frauen Einzelfälle.

Feuerwehrchef Kirchartz sekundierte: „Wer bei der Feuerwehr arbeitet, muss gegebenenfalls in der Lage sein, einen leblosen Körper von 80 Kilo aus der Gefahrenzone herauszuziehen. Das ist hart.“

SPD-Ausschussmitglied Thomas Neises äußerte Zweifel daran, dass Frauen überhaupt für diese Arbeit geeignet sind: „Es ist schön, dass wir Mädchen bei der Jugendfeuerwehr haben und Frauen bei den Freiwilligen Feuerwehren. Aber ein Einsatz mit voller Montur und schwerem Atemschutzgerät – das schaffen Frauen nun mal nicht, dafür sind sie nicht gemacht. Das ist eben so“, konstatierte Neises.

Dezernent Schmitt bemühte sich daraufhin, noch einmal klarzustellen, dass er keinen Zweifel habe, dass Frauen den Feuerwehrdienst schaffen könnten und grundsätzlich auch dorthin gehörten. „Die Frage ist nur, ob wir die Eingangsvoraussetzungen für Frauen herabsetzen sollten – wofür ich nicht guten Gewissens plädieren kann.“ CDU-Chef Thorsten Wollscheid erklärte: „Für den Feuerwehrdienst muss man eine gewisse körperliche Verfassung haben – egal ob Mann oder Frau. Auch das ist eine Form der Gleichberechtigung.“

Richard Leuckefeld von den Grünen fasste die Sache schließlich zusammen: „In den 1970ern wurde diskutiert, dass Frauen für die Bundeswehr nicht geeignet seien. Und genauso wie bei der Bundeswehr wird die gesellschaftliche Entwicklung sich auch hier nicht aufhalten lassen und dazu führen, dass Frauen künftig Dienst bei der Berufsfeuerwehr tun. Uns Grünen geht es darum, den Weg in diese Zukunft zu ebnen – deswegen wollten wir hier diskutieren, ob bei den Bewerbungskriterien nicht die Möglichkeit besteht, bei den Einstellungsvoraussetzungen mehr auf Frauen einzugehen.“

Nach einer guten halben Stunde beendete der Ausschuss seine Diskussion ohne ein weiteres Vorgehen zu beschließen.