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"In Trier war die Situation nicht anders"

"In Trier war die Situation nicht anders"

Mit einer Ausstellung über das Berufsverbot für jüdische Ärzte durch die Nationalsozialisten setzt die Trierer Bezirksärztekammer ihre Aufarbeitung der Nazi-Zeit und die Auswirkungen auf die Mediziner in der Region fort. Sie ist bis 15. Februar zu sehen.

Trier. 30. September 1938. Ein düsterer Tag für die deutsche Medizin. Allen jüdischen Ärzten im Deutschen Reich wird von den Nationalsozialisten verboten, zu praktizieren.
Auch in Trier dürfen die jüdischen Mediziner ihren Beruf nicht mehr ausüben, genauso wie jüdische Apotheker.
Seit der Machtergreifung 1933 hatten viele Juden Trier verlassen. Bis 1938 ging deren Zahl in der Stadt von 796 auf 432 zurück. Die, die in Trier blieben, drohte die Vernichtung durch die Nazis. Bis 1943 bringen fünf Züge die Trierer Juden direkt in die Gaskammern von Ausschwitz. 323 Juden werden in dieser Zeit aus Trier deportiert. Darunter auch einige Ärzte.
An den Entzug der Behandlungserlaubnis jüdischer Ärzte erinnert eine Ausstellung, die gestern im Trierer Ärztehaus in der Balduinstraße eröffnet wurde. Sie trägt den Titel "Fegt alle hinweg" und widmet sich den 9000 jüdischen Ärzten im Deutschen Reich, denen 1938 verboten worden ist, zu arbeiten."
Verhaftet, gefoltert, deportiert


In Trier war die Situation nicht anders als in anderen Teilen des Deutschen Reiches", sagt Mark Indig, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Trier.
Der Trierer Urologe ging bei der Ausstellungseröffnung auf das Leben der jüdischen Ärzte in Trier ein und berichtete über die Drangsalierung und Diskriminierung durch die Nazis. Viele der Mediziner seien aus Trier geflohen. Die, die geblieben waren, wurden verhaftet, gefoltert und später deportiert.
Die Ausstellung, die seit 2008 bereits in mehreren deutschen Städten gezeigt worden ist, stützt sich auf verschiedene Dokumente, die hauptsächlich von der Bayerischen Landesärztekammer veröffentlicht wurden. Mit der Schau setzt die Trierer Bezirksärztekammer ihre im vergangenen November mit einer erfolgreichen Zeitzeugen-Veranstaltung begonnene Aufarbeitung der Nazivergangenheit in der Region und die Verstrickung von Medizinern. wie

Die Ausstellung ist bis zum 15. Februar im Trierer Ärztehaus, Balduinstraße, zu sehen. Informationen unter Telefon 0651/99475910 oder info@ aerztekammer-trier.de