In Trier werden drei ehemalige Kirchen zu Wohngebäuden

Kostenpflichtiger Inhalt: Architektur : In Trier werden drei ehemalige Kirchen zu Wohngebäuden

Schon Realität in Quint, konkretes Projekt in Ehrang, Studie für Pallien: In profanierten Gotteshäusern lässt es sich gut leben. Projektentwickler zeigen in Trier, was möglich ist.

Die Zahl der Gottesdienstbesucher geht dramatisch zurück. Viele Kirchen sind zu groß. Vor allem nach dem Krieg erbaute Gotteshäuser sind zudem oft sanierungsbedürftig und werden aufgegeben. Profanierung ist das Wort dafür, wenn ein geweihtes Haus seinen Kirchenstatus verliert. In Trier, wo bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter französischer Herrschaft zahlreiche Gotteshäuser geschlossen wurden, gewinnt dieses Thema wieder an Brisanz, wie der Blick nach Ehrang, Quint, Pallien oder zur Pauluskirche zeigt.

Vier Jahre nach dem Umbau der ehemaligen Kirche Mariä Himmelfahrt in Quint zu einem hochwertigen Wohngebäude steht der Start für ein ähnliches Projekt in Ehrang unmittelbar bevor. „Wir wollen Anfang 2020 mit der Realisierung von 16 geförderten Wohnungen in dem Gebäude von Christi Himmelfahrt beginnen“, sagt Jan Eitel. Der ehemalige Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft EGP hat zwar mit Partnern und der neuen Firma Immprinzip einen Schwerpunkt auf den sozialen Wohnungsbau gelenkt. In der GmbH „vierviertel“ konzentriert er sich auf Projekte, die ihm persönlich noch mehr am Herzen liegen. So hat er sich für das Vorhaben in Ehrang mit dem ehemaligen Mitarbeiter Martin Koch zusammengetan, der bereits federführend den Kirchenumbau in Quint realisiert hatte.

„Das ist wirklich gut geworden“, lobt Eitel. Übertragbar auf Christi Himmelfahrt sei das Konzept aber nicht. „Unser Ziel ist ein bestmöglicher Kompromiss zwischen dem Anspruch, würdevoll mit dem Kirchenbau umzugehen und der Notwendigkeit. die neue Nutzung attraktiv zu machen.“ So bleibe der Kirchturm als Reminiszenz erhalten. Auch die Form des Hauptgebäudes und markante Gestaltungsmerkmale würden nicht verändert. Fenster und Balkone werden dem Bau dennoch eine andere Anmutung geben. Alles sei mit dem Architektur- und Städtebaubeirat abgestimmt.

Die ehemalige Kirche Maria Königen in Trier-West/Pallien steht unter Denkmalschutz. Auch dieses künstlerisch wertvolle Gebäude soll zu einem Wohnhaus umgebaut werden. Geplant sind dort große Mietwohnungen und ein Gemeinschaftsraum für die Pfarrgemeinde.   . Foto: Vierviertel GmbH

Das Investitionsvolumen beträgt nach Angaben der neuen Eigentümer vier Millionen Euro. 14 der Mietwohnungen werden für 6 Euro pro Quadratmeter zu haben sein. Die beiden Dachwohnungen kosten einen Euro mehr. Bis auf die vier Wohnungen im Erdgeschoss soll alles barrierefrei sein. „So ein Baukörper erfordert leider auch Einschränkungen“, bedauert Eitel.

In Ehrang werden die im Mai bei der Profanierungsfeier der Kirche vorgestellten Pläne positiv gesehen. „Wir sind damit froh“, sagt Jürgen Schmitt, Verwaltungsratsvorsitzender der Pfarrei St. Peter. Mehrere Interessenten habe es für das Gebäude gegeben. „Was jetzt kommt, ist auch im Sinne einer guten Nachbarschaft.“ So würden die vielen Bäume hinter dem Haus erhalten. Und auch das Autismuszentrum in den Räumlichkeiten des unmittelbar benachbarten ehemaligen Kindergartens werde nicht beeinträchtigt. „Das Gebäude zu erhalten ist für viele Leute hier eine gute Sache, denn sie hatten in den 50er Jahren für den Bau der Kirche gespendet.“

Mitte 2021, nach 16 Monaten Umbauzeit, sollen die neuen Mieter einziehen. „Davor werden wir den Ehrangern zeigen, wie attraktiv und außergewöhnlich die neuen Wohnungen sind“, verspricht Jan Eitel.

Die ehemalige Kirche Mariä Himmelfahrt in Quint ist bereits seit drei Jahren ein Wohnhaus. Das Projekt war Auslöser für die weiteren Vorhaben. Foto: Vierviertel GmbH

Wann so etwas auch bei der 2016 wegen Einsturzgefahr gesperrten und entweihten ehemaligen Pfarrkirche Maria Königen in Trier-West/Pallien soweit sein könnte, ist noch nicht klar, auch wenn die detaillierten Entwürfe dafür bereits fertig und vom Denkmalpflegebeirat positiv bewertet worden sind. „Ich habe mich in dieses Gebäude verliebt“, sagt der ehemalige EGP-Geschäftsführer. Der Bauantrag sei allerdings noch nicht gestellt.

Gemeinsam mit seinem Partner Martin Koch will er hier „große Mietwohnungen zu vernünftigen Preisen“ anbieten. 16 Wohneinheiten, teilweise über mehrere Etagen. „Der Kirchenraum erlaubt wegen seines Zuschnitts keine in der Größe genormten Sozialwohnungen“, erläutert Eitel. In dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude sollen alle Kirchenelemente im Innen- und Außenbereich erhalten bleiben. Besonders die modernen Glasfenster von Jakob Schwarzkopf sollen ihre Wirkung behalten. „Wenn ich später da reingehe, stehe ich tatsächlich noch in einer Kirche.“ 

Angesehen haben sich Eitel und Koch auch die Ausschreibung für die mindestens 1,95 Millionen Euro teure Pauluskirche. „Dafür haben wir kein Angebot abgegeben“, sagt Jan Eitel. „Dieses Objekt ist für unsere Zwecke nicht darstellbar.“ Dennoch. „Kirchen in einem Radius von 300 Kilometern bleiben für uns auch in Zukunft interessant.“ Ein neuer Markt. Denn die Zahl der profanierte Objekte wird größer werden.

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