In Trier werden weniger Industrie-Arbeitsplätze angeboten als auf dem Land

Industrie : Industrie: Trier ist das Schlusslicht der Region

In der Stadt werden weitaus weniger Arbeitsplätze in der Industrie angeboten als im ländlichen Raum. Das hat gleich mehrere Gründe.

Trier ist als Oberzentrum der Großregion ein attraktiver Standort für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. In einem Bereich hängt der ländliche Raum die Großstadt allerdings ab: beim Thema Industrie. Die meisten Industriebetriebe haben sich in der Eifel rund um Wittlich oder Prüm angesiedelt. Das geht aus dem Industriereport Region Trier der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier hervor.

Nur 15,6 Prozent der insgesamt 325 Industriebetriebe in der Region haben ihren Sitz in Trier. Spitzenreiter ist der Kreis Bernkastel-Wittlich: Hier  haben 90 ihren Sitz (Stand 2017). Das sind rund 28 Prozent aller Industriefirmen. Darunter finden sich mit Benninghoven  und Dr. Oetker international agierende Unternehmen. Im Kreis Trier-Saarburg haben 71 Industriefirmen ihren Sitz (22,1 Prozent). 56 Betriebe liegen im Kreis Bitburg-Prüm (17,5 Prozent), 54 im Vulkaneifelkreis (16,8 Prozent).

Für Matthias Schmitt, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Trier, ist die verstärkte Ansiedlung von Industriebetrieben im ländlichen Raum kein Zufall. „In ländlichen Gebieten sind in der Regel größere Gewerbeflächen zu günstigeren Preisen verfügbar; das ist insbesondere für flächenintensive, produzierende Unternehmen ein wichtiger Faktor“, teilt Schmitt mit. Auch eine gute Verkehrsanbindung erhöhe die Ansiedlungschancen von Industrieunternehmen. Als Beispiel nennt er die Autobahnanbindung des Industrieparks Region Trier, der ständig wächst.  „Es ergeben sich auch Synergieeffekte beispielsweise zwischen Industrieunternehmen und Unternehmensdienstleistern. Wo sich Industrie ansiedelt, profitieren auch andere Wirtschaftszweige davon“, sagt Schmitt.

Neben dem Platzangebot ist, so Schmitt, die Höhe der Gewerbesteuer ein wichtiger Faktor bei der Standortentscheidung von Unternehmen. Die variierte in der Region zuletzt deutlich.

Ein weiterer Faktor ist in den vergangenen Jahren in punkto Standortansiedlung ebenfalls wichtig geworden: die Breitbandversorgung. Schmitt: „Schnelles Internet ist für Unternehmen inzwischen das A und O!“

In der Region sind die Standorte der großen Unternehmen konzentriert auf Wittlich sowie rund um Prüm. Ausnahmen sind die Bitburger Braugruppe, Hochwald Foods in Thalfang,TyssenKrupp Bilstein in Mandern und Papier Mettler in Morbach, n der größte Arbeitgeber der Region. In Trier sind drei große  Industrie-Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern angesiedelt: GKN Driveline  und die Natus GmbH sowie JTI, das seine genaue Zahl der Arbeitsplätze allerdings nicht an die IHK zur Veröffentlichung weitergegeben hat.

Mit dem Hochmoselübergang könnte die Industrie rund um Wittlich wachsen. Schmitt: „Der Hochmoselübergang erhöht die Attraktivität des Raums Wittlich für Unternehmensansiedlungen weiter und belegt, dass eine gute Infrastrukturanbindung ein wesentlicher Standortvorteil ist. Wir gehen von einer weiterhin positiven Ansiedlungsentwicklung aus.“ Aber auch der Industriepark Region Trier bei Föhren könnte von der neuen Verkehrsachse zwischen Rhein-Main-Gebiet und den Niederlanden sowie Belgien  profitieren.

Stichwort Fachkräfte: Rund 70 Prozent der regionalen Unternehmen leiden, so Schmitt, unter Fachkräfteengpässen. Aber: Die Stellenbesetzung falle großen (Industrie-)Unternehmen nach einer Umfrage von IHK und HWK derzeit noch deutlich leichter als kleinen Unternehmen. „In Großunternehmen ab 250 Beschäftigten ist jede 85. Stelle unbesetzt; in Kleinstunternehmen bis neun Beschäftigte ist es jede zehnte Stelle. Selbstverständlich gibt es auch kleinere Betriebe, denen es mit originellen Ansätzen und einem guten Arbeitgeber-Image gelingt, sich am Arbeitsmarkt erfolgreich zu positionieren. Das erfordert natürlich ein starkes Engagement.“

Als Lösung sieht Schmitt mehrere Ansätze: Invest in Ausbildung und Weiterbildung, um sich guten Nachwuchs heranzuziehen, Mitarbeiter weiter zu qualifizieren und ihnen den Aufstieg zu ermöglichen, die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, die Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein betriebliches Gesundheitsmanagement, die Einstellung ausländischer Arbeitnehmer und grundsätzlich attraktive Arbeitsbedingungen.

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